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Leserbrief

Wir – die Kirche

Franz Näscher, Pfr. i. R.,Kirchagässle 14, Bendern | 31. Oktober 2013

Unter dieser Überschrift durfte ich vor rund 30 Jahren in unseren beiden Landeszeitungen immer wieder eine Randspalte mit Gedanken über die Kirche publizieren. Es war mir als Dekan ein grosses Anliegen, die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche bewusst zu machen. Im Konzilsdokument ist nicht nur von den Bischöfen und Priestern, sondern auch von den Laien die Rede. Sie seien Christus geweiht und mit dem Heiligen Geist gesalbt und dadurch wunderbar berufen und ausgerüstet. «Die Laien haben entsprechend dem Wissen, der Zuständigkeit und hervorragenden Stellung die Möglichkeit, bisweilen auch die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, zu erklären. Die geweihten Hirten sollen die Würde und Verantwortung der Laien in der Kirche anerkennen und fördern. Sie sollen gern deren klugen Rat benutzen, ihnen vertrauensvoll Aufgaben im Dienst der Kirche übertragen und ihnen Freiheit und Raum im Handeln lassen, ihnen auch Mut machen, aus eigener Initiative Werke in Angriff zu nehmen» (Lumen Gentium, Nr. 37). Der Hildesheimer Bischof Josef Homeyer († 2010) sagte dazu: «Treue zur Kirche bedeutet nicht kritiklose Zustimmung zu allem, was sich in der Kirche ereignet. Die einseitige Betonung des Gehorsams und die Unterwerfung unter die kirchliche Autorität hat viel zur Lethargie beigetragen. ... Alle Christen, Frauen und Männer, Jugendliche und Erwachsene sind mitverantwortlich für das Leben der Kirche; sie müssen mitdenken und sollen sich an den Entscheidungen beteiligen.»Bei uns sind schon 1970 die Pfarreiräte und ein Landesseelsorgerat entstanden. Diese Räte sind keine Neuheit, sondern entsprechen ältester Tradition der Urkirche.Vorkommnisse verschiedener Art, wie derzeit jene im Bistum Limburg, machen mich traurig; es stört mich allerdings auch, wie manche Medien über die Kirche berichten. Aber sie zeigen allzu deutlich, wie sehr sich das Kirchenbild des Konzils auch 50 Jahre danach erst noch viel tiefer einprägen muss. Darum hoffe ich sehr, dass die Vorkommnisse für die Verantwortlichen in der Kirche Anlass sind, das Kirchenbild neu zu bedenken und im Sinne des Konzils die Laien in das kirchliche Leben einzubeziehen.Papst Franziskus versteht es immer wieder, Entscheidendes mit einfachen Worten zu sagen: «Wir sind alle gleich. Und wenn einer kommt und sagt: Herr Papst, Sie haben doch nicht den gleichen Rang wie wir, dann sage ich ihm: Doch, den habe ich. Ich bin einer von euch.»

Franz Näscher, Pfr. i. R.,Kirchagässle 14, Bendern


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