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Leserbrief

Meilensteine zur Integration

| 28. Oktober 2013

Jubiläumsfeier?60 Jahre Liechtensteiner Behindertenverband (LBV) bedeuten 60 Jahre Einsatz für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, für Gleichstellung und Integration am Arbeitsplatz. Am Sonntag war Feierstunde im Ruggeller Gemeindesaal.

Von johannes mattivi

Ein Zitat aus einem Leserbrief des seinerzeitigen ersten Präsidenten des Liechtensteiner Behindertenverbands (LBV) Gerold Hilbe stand im Zentrum der Festansprache von LBV-Präsident Martin Batliner. Ein Zitat, das nicht nur als Motto für die sonntägliche Feierstunde des LBV im gut besuchten Ruggeller Gemeindesaal dienen konnte, sondern das zum Gründungsmotto des LBV vor 60 Jahren wurde. Der erste LBV-Präsident Gerold Hilbe war bei der seinerzeitigen Gründung des Verbands nicht einfach ein Philantrop, sondern ein Betroffener. In der Blüte seiner Schaffensjahre passierte ihm nämlich das, was jedem von uns jederzeit passieren kann: Ein Arbeitsunfall, der ihn von einem Tag auf den anderen aus seinem bisherigen Arbeitsleben riss und in den Rollstuhl verbannte, nachdem er nach einem Sturz auf einer Baustelle ein Bein verloren hatte. Von einem Tag auf den anderen gehörte Gerold Hilbe nun zu den «Gebrechlichen», wie man sie damals nannte. Jedoch zu jenen «Gebrechlichen», die trotz ihres Schicksals nicht aufgaben und nicht aufgeben wollten, die nicht einfach von einer Rente leben, sondern ihr Brot auch weiterhin selbst verdienen und erarbeiten wollten.

Das erwähnte Zitat stammt aus einem Leserbrief, den Gerold Hilbe im Juli 1953 zuhanden der Liechtensteiner Landeszeitungen verfasste und in dem es wörtlich hiess: «Wir Gebrechlichen wollen sicher nicht von einer Rente leben, aber gebt jedem von uns geeignete Arbeit, damit wir unser Brot für uns und unsere Familien selbst verdienen können. Wir appellieren an die zuständigen Behörden und die AHV, soviel wie möglich den Invaliden Arbeit zu verschaffen (…).» Das hätte auch heute geschrieben worden sein, sagte LBV- Präsident Martin Batliner in seiner Festansprache. Was damals galt und heute noch gilt, war seit jeher das Bemühen des Behindertenverbands: Die möglichst natürliche Gleichstellung und Gleichbehandlung von Behinderten und Nicht-Behinderten, die soziale Integration in die Gesellschaft, die Teilhabe am Arbeitsmarkt mittels Schaffung und Erhaltung geeigneter Arbeitsplätze je nach Gebrechen – kurz: Der Vorstellung und Einstellung zum Durchbruch zu verhelfen, dass Menschen als Menschen definiert werden sollten, ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer Einstellungen, ihres Geschlechts, ihrer Fähigkeiten – oder eben ihrer «Behinderung», die nur dann eine Be-Hinderung ist, wenn sie von der Gesellschaft zum Hindernis gemacht wird.

Dem unermüdlichen Engagement des Behindertenverbandes folgte später die gesetzliche und institutionelle Wirklichkeit nach. 1960 wurde die Invalidenversicherung (IV) gegründet, 1967 folgte das HPZ, 2007 das Behindertengleichstellungsgesetz und als jüngster Meilenstein die diesjährige Aufnahme des Behindertenverbands in den Liechtensteinischen Olympischen Sportverband (LOSV). Ein Meilenstein fürs Zusammenleben von Behinderten und Nicht-Behinderten sowie ein Schritt weiter auf dem Weg zur gegenseitigen Integration und zur Normalisierung der sozialen Verhältnisse in einer human gesinnten Gesellschaft.

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