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Leserbrief

Antwort auf den Leserbrief von Hans Mechnig, Schaan

Michaël Gnehm,BGE Rheintal, Buchs | 12. Januar 2016

Grundeinkommen

Sie bringen genau die richtigen Argumente, die für ein bedingungsloses Grundeinkommen sprechen. Denn was genau steckt eigentlich hinter der Erzeugung unserer Güter und Dienstleistungen, die wir täglich konsumieren beziehungsweise beanspruchen? Jedenfalls nicht nur alleine die Arbeiter/innen mit einem Erwerbseinkommen. Mittelfristig sogar im Gegenteil, denn immer mehr Güter des täglichen Bedarfs werden automatisiert, unter Einbezug von Maschinen und modernster Roboter-Technologien produziert. Es sind der Einsatz von Energie und anderen Ressourcen, die hinter unseren Erzeugnissen stecken. So auch Ressourcen die allen Menschen gehören, wie zum Beispiel Luft, Wasser und Boden sowie die Erfahrungen und das Wissen unserer Vorfahren. Nicht zu vergessen sind all jene Arbeiten, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft notwendig, aber kaum beziehungsweise sehr schlecht bezahlt werden: zum Beispiel die Haushalts- und Vereinsarbeit.
Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren, stellt sich dann schon die Frage, ob es gerecht ist, wenn nur diejenigen vom Güterberg konsumieren dürfen, die eine Erwerbsarbeit gefunden haben? Der Roboter braucht jedenfalls keines der Joghurte, die er produziert hat.
Und dann sind da noch die leistungslosen Einkommen aus der Finanzwirtschaft. Diese machen heute mehr als die Hälfte aus. Warum dürfen dann diese sich am Güterberg frei bedienen, obwohl sie wenig dazu beigetragen haben?
Dazu kommt, dass wir heute in einer Gesellschaft leben, in der menschliche Arbeit nicht mehr der begrenzende Produktionsfaktor ist. Genau deshalb wird die Arbeit auch immer weniger wert. Und es macht immer weniger Sinn, den Konsum von der Erwerbsarbeit abhängig zu machen.
Es spricht also einiges für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wohlverstanden, kein vollständiges Einkommen, sondern (nur) ein Grundeinkommen, das die Grundbedürfnisse aber nicht den Wohlstand abdeckt, das eine Teilnahme am soziokulturellen Leben aber doch nicht ausschliesst. Im Hinblick auf die Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens geht es ja nicht darum, dass mehr Geld erzeugt werden müsste, sondern dass das bestehende Geld allenfalls andere Wege nimmt.
Noch wichtiger ist jedoch die Frage: Wer darf die weitgehend von Automaten und mithilfe von Energie erzeugten Produkte kaufen? Wenn wir uns darüber Rechenschaft abgeben, finden wir auch den Weg, wie das Grundeinkommen finanziert werden soll und kann.

Michaël Gnehm,
BGE Rheintal, Buchs

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