Leserbrief

Der Vergessene

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 3. August 2013

Papst Paul VI. feiert am 6. August, dem Fest Christi Verklärung, das 35-Jahr-Jubiläum seines Eintritts in die Ewigkeit. Heuer würdigte das Buch «Der vergessene Papst» sein Werk. Ich lebte während seiner Kirchenleitung in Rom, las seine Rundschreiben. Den Satz in «Evangelii Nunziandi» empfinde ich bis heute als Gewissenserforschung: «Menschen hören mehr auf die Zeugen als auf die Lehrer. Auf Lehrer hören sie nur, wenn diese auch Zeugen sind.» Das gilt für alle Menschen aller Zeiten. Das war das Geheimnis des Erfolgs Jesu – trotz «Niederlage» am Kreuz. Das ist wohl auch der Grund, warum in Europa die Zahl der Christen sinkt, während sie auf der Südhalbkugel, wo Christen blutig verfolgt werden, erstaunlich wächst. Paul VI. wusste: «Die Welt verändert sich schnell. Die Kirche darf (...) nicht wieder zu spät kommen.» Schon 1964 im Konzil sagte er: «Die Gesamtkirche braucht: Liebe, Armut und den Dialog mit allen Menschen, mit den Weltreligionen, mit den christlichen Konfessionen und innerhalb der kath. Kirche (...); nur so werden Friede und Gerechtigkeit möglich.» Er hat sich sehr um die Verwirklichung des Konzils bemüht; viele Bischöfe und Theologen Europas und der USA weniger, weshalb Kardinal Martini kurz vor seinem Tod klagte, die Kirche sei «200 Jahre verspätet».Der em. Papst Benedikt schrieb zum 50-Jahr-Jubiläum des Konzils eine neue Enzyklika über die Evangelisierung, die wohl nur wenige Christen gelesen haben. Schade! Durch seinen freiwilligen Rücktritt haben seine Botschaften viel an Leuchtkraft gewonnen. Der neue Bischof von Rom und unser Nachbarbischof Elbs von Feldkirch sind glaubwürdige Zeugen und haben die Herzen und die Ohren der Menschen – nicht nur der Christen – schnell erobert. Ihr Wort überzeugt und begeistert, weil sie leben, was sie verkünden. Lassen wir uns anstecken!

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan

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