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Leserbrief

Jürgen Frick: «Wir würden gern nur dann nach Malbun fahren, wenn die Busse voll sind»

| 13. Juli 2013

Interview?Zu teuer, zu wenig Effizienz, häufig fast leere Busse und zu viele Doppelstöcker: Seit der jüngsten Tariferhöhung haben sich die Verantwortlichen der LIEmobil viel Kritik anhören müssen. Zu Recht? Im Gespräch mit dem «Volksblatt» nimmt Jürgen Frick vonseiten des Unternehmens Stellung.

Von Holger Franke

«Volksblatt»: Herr Frick, sind 320 Franken für ein Busjahresabo aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?

Jürgen Frick: Die LIEmobil-Fahrzeuge sind von Montag 5 Uhr bis Sonntag 24 Uhr in drei Ländern unterwegs und bieten einen hohen Komfort und ein dichtes Taktangebot. Ein Jahresabo kostet pro Tag weniger als einen Franken, das ist beispielsweise im Vergleich mit der benachbarten Schweiz ein Sonderangebot. Die Vergleichsstrecke Sennwald–Trübbach kostet in der Schweiz pro Jahr rund das Dreifache des Liechtensteiner Jahresabos.

Sie haben die öffentliche Kritik sicher wahrgenommen. Haben Sie Verständnis dafür, dass vielen Kunden die Abopreise zu hoch erscheinen, und was sagen Sie zu dieser Kritik?

Niemand freut sich über eine Preissteigerung. Wir hoffen aber auf ein gewisses Verständnis und möchten betonen, dass bei der Tarifrevision auch günstige Angebote eingeführt wurden. Als Beispiel sei der Kurzstreckenfahrschein für 2 Franken erwähnt oder die Anhebung der Altersgrenze für ein ermässigtes Abo auf 25 Jahre, welches insbesondere für Familien eine Erleichterung darstellt. Die Rückmeldungen in unserem Kundencenter zeigen, dass sich regelmässige Kunden, die unser Angebot gut kennen und nutzen, deutlich leichter mit der Preissteigerung tun als Gelegenheitsfahrgäste. Vor allem Pendler kennen die wahren Kosten ihres Autos und schätzen den nach wie vor günstigen Preis des LIEmobil-Abos.

Es scheint aber schwer zu vermitteln zu sein, dass innerhalb weniger Jahre die Abopreise von 80 Franken auf nun 320 Franken geklettert sind. Waren die Preise damals zu tief oder sind sie jetzt zu hoch?

Was kann man für 80 Franken alles kaufen? Eine Tankfüllung Benzin, eine Jeanshose oder vielleicht eine Zweitagskarte zum Skifahren. 80 Franken ist ein guter Preis – für ein Monatsabo. Aber nicht für ein Jahr Mobilität für ein ganzes Land.

Es sind bereits in Leserbriefen einige Einsparmöglichkeiten genannt worden. Abgesehen von den Hauptzeiten scheint es wirklich so, dass die Doppelstockbusse häufig spärlich besetzt durch das Land fahren. Warum verwendet man in den Randzeiten nicht kleinere Busse?

Die Grösse unserer Fahrzeuge richtet sich nach dem Bedarf zu den Hauptverkehrszeiten. Es ist viel wirtschaftlicher ein grosses Fahrzeug einzusetzen, als zwei kleine mit zwei Chauffeuren. Wir müssen auch mit denjenigen Fahrzeugen fahren, welche wir zur Verfügung haben. Es ist unwirtschaftlich, für jedes Grossfahrzeug ein zweites Fahrzeug in Reserve zu halten.

Wären kleinere Busse nicht kostengünstiger? Können Sie ungefähr beziffern, was ein Austausch einsparen würde?

Ein Bus fährt im Mittel etwa 25 km in einer Stunde. Würde bspw. am Abend während vier Stunden ein kleinerer Bus eingesetzt, könnten ca. 10 Liter Diesel gespart werden. Grosse Fahrzeuge werden auf den Hauptlinien eingesetzt. Die Busgarage ist in Vaduz. Dort starten/enden am Abend aber keine Hauptlinien, somit müsste ein zweiter Fahrer den Fahrzeugtausch durchführen. Gros-se Fahrzeuge zu Randzeiten mögen leer ausschauen, haben aber noch mehr Vorteile: Gruppen können einfach mitgenommen werden, ohne Zusatzfahrzeuge einsetzen zu müssen, auch bei Veranstaltungen oder unvorhergesehenen Fahrgastspitzen ist genug Platz im Bus.

Liesse sich durch eine Fahrplananpassung die Effizienz steigern? Auch in der Zwischensaison fährt 14 Mal täglich ein Bus nach Malbun, 36 Mal nach Hinterschellenberg, um nur zwei Beispiele zu nennen. Sind so viele Fahrten wirklich nötig?

Wir würden gern nur dann nach Malbun fahren, wenn die Busse voll sind. Einerseits haben wir aber eine Erschliessungsfunktion und andererseits ist ein bedarfsabhängiger Fahrplan im erforderlichen Umfang nicht vermittelbar und auch nicht mit der erforderlichen Dienstplangestaltung umsetzbar. Schellenberg muss von drei Seiten erreichbar sein. Daher ist es von der Linienführung leider nicht möglich, das Angebot zu reduzieren und trotzdem die Verbindungen nach Feldkirch und ins Oberland sicherzustellen.

Im Dezember steht der nächste Fahrplanwechsel an. Können Sie uns schon jetzt erste Punkte nennen, die sich ändern werden?

Am Eschnerberg wird eine Ringlinie eingeführt, die von Mauren über Schellenberg nach Ruggell, Bendern und Eschen führt. Linie 11 fährt in Zukunft von Feldkirch bis Sargans, Linie 13 ergänzt Linie 11 zum Viertelstundentakt zwischen Schaanwald und Trübbach. Linie 24 wird stündlich von Vaduz nach Sevelen fahren und dort die neue S-Bahn St. Gallen anschliessen. Diese umrundet die Ostschweiz und bringt ein grosses Einzugsgebiet in kurzer Zeit nach Vaduz.

Wird der neue Fahrplan zu Einsparungen führen?

Der neue Fahrplan wurde bewusst so entwickelt, dass in den Randzeiten mit weniger Kursen gleich gute Anschlüsse bei einem guten und regelmässigen Takt möglich sein werden.


Sehen Sie bei der LIEmobil Einsparpotenzial?

In den vergangenen drei Jahren hat die LIEmobil rund 2,7 Millionen Franken eingespart, ohne gross Leistungen abzubauen. Werbung am und im Bus bringt zusätzliche Erträge. Bei der letzten Ausschreibung konnte die Produktivität gesteigert werden. Ab Dezember bedient die LIEmobil das neue Liniennetz. Auf der Einnahmenseite sind die Einsparmöglichkeiten momentan stark begrenzt, da sich die se im Wesentlichen aus dem Staatsbeitrag und den Tarifeinnahmen zusammensetzen. Demgegenüber stehen auf der Ausgabenseite die effektiven Fahrplanstunden sowie die gefahrenen Kilometer.

Der Staatsbeitrag für die LIEmobil ist nach wie vor hoch. Erwarten Sie weitere Kürzungen und wären damit weitere Fahrpreiserhöhungen die Folge?

Eine weitere Kürzung auf 14 Mio. Franken wurde durch die Finanzplanung der Regierung bereits festgelegt und in der letzten Landtagsdebatte wurde ebenfalls angekündigt, dass weitere Kürzungen denkbar sind. Wir werden die weitere Entwicklung prüfen und zu gegebener Zeit die erforderlichen Massnahmen festlegen.

Sind höhere Preise nicht eher kontraproduktiv, um die Fahrgastzahlen zu steigern?

Nicht unbedingt. Die Nutzung hängt nicht ausschliesslich vom Preis ab, sondern von der Dienstleistung, die wir unseren Kunden zur Verfügung stellen können. Wir sind überzeugt, dass die LIEmobil für jeden Fahrgast nach wie vor ein günstiges und attraktives Angebot zur Verfügung stellt. Wenn der öffentliche Verkehr die Mobilitätsbedürfnisse eines Fahrgastes abdeckt, wird er dafür auch einen angemessenen Preis bezahlen. Im Rahmen der Preisrevision haben viele Kunden vom Verlängerungsangebot Gebrauch gemacht. Ebenfalls war ein starker Zuspruch an Neukunden feststellbar.

Sollten mehr Taxikurse in Randre-gionen und Randzonen eingerichtet werden? Wäre das für Sie eine Option, um Kosten zu senken?

Wir haben diesen Aspekt bereits länger verfolgt und geplant. Nach Gaflei werden ab Fahrplanwechsel noch mehr Kurse anmeldepflichtig sein. Damit lassen sich Leerfahrten bei schlechtem Wetter oder in der Zwischensaison vermeiden. Die Kostenersparnis darf aber nicht überbewertet werden: Fahrzeug und Fahrer müssen auch bei Taxikursen zur Verfügung stehen. Gespart wird nur an den Betriebskosten.

Sollte die LIEmobil mehr Kooperationen anstreben, um attraktiver zu werden? Vielerorts wird dies bereits gemacht. Was halten Sie von dem Vorschlag?

LIEmobil kooperiert jetzt schon mit einigen Veranstaltern. Beispielsweise können Sie heute schon ans TAK oder ans Life mit einer gültigen Eintrittskarte kostenlos mit dem LIEmobil-Bus anreisen. Weitere Kooperationen sind im Gespräch. Die Veranstalter müssen auch ihrerseits Interesse zeigen, denn gemäss Gesetz müssen sie die der LIEmobil entstehenden Kosten decken.

320 Franken kostet ein Jahresabo derzeit. Wo sehen Sie die Schmerzgrenze in den kommenden Jahren?

Der Vergleich mit der Schweiz, wo der öffentliche Verkehr einen sehr grossen Stellenwert besitzt, zeigt, dass der aktuelle Abopreis noch auf einem sehr tiefen Niveau ist.

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