Leserbrief

Das «Weiss»-Gesicht

Jo. Schädler, Badäl, Gamprin | 10. Juli 2013

Ich will einen Raum betreten und man sagt zu mir, solange wie kein Hund kommt, darfst selbst du hinein. Eine Beleidigung der primitivsten Art. Da hilft auch der Brief von Frau Jenny nicht, die meint, man müsse sich an solche «Weiss»-Auswüchse gewöhnen und wenn man Probleme damit hätte, einfach den Humor walten lassen – sprich den Betroffenen noch lächerlicher machen.In einer Karikatur gibt es nur Verlierer. Gezielt setzt sie darauf, den, der sich eine Schwäche erlaubt, vorzuführen und grad noch eine Lanze in die Wunde zu stossen. Oder dem, der sich in den Augen des Zeichners oder dessen Auftraggeber anders gibt, den Benimm in jener unwürdigen und hinterhältigen Form beizubringen, indem man sich der niedrigsten menschlichen Triebe, nämlich dem Hang in der Gruppe der ewig Feiernden, dem Lächerlichen als Garant, dem sicheren Rudel anzugehören bedient.Es erstaunt, dass eine Partei den anderen Populismus vorwirft, sich aber nicht scheut, die Ungebildeten und dem Lesen abgeneigte Bürger im Lande mit Zeichnungen einzulullen, um ihre Gunst zu erhaschen. Dort fängt Populismus nicht erst an, sondern ist unterste Schublade dessen.Eine Partei, die sich gegen Ausgrenzung, für das Miteinander, für die Gleichberechtigung, für die Rechte Andersdenkender einsetzt, sollte das Mittel der gezeichneten Abstrafung mittels zwanghaftem Humor wohl und reiflich überlegen. Und man frage sich zudem, was für eine Politik dieser, nun auch noch in Farbe gezeichnete Unsinn letztendlich werden soll und aus welch ideologischer Kladde er entnommen wurde?Die Freie Liste setzt sich vehement für die Medienförderung ein und bejammert lauthals ihr schmales Budget, ist aber gleichzeitig nicht in der Lage, ihr Sprachorgan mit nützlichen Texten zu füllen und verplempert fast mehr als ein Drittel des Hochglanzheftchens mit leeren Flächen, mit überdimensionierten Porträts der ihren, oder mit Seiten grosser Zeichnungen, die man sonst in dieser Aufmachung nur aus der Fastnachtszeitung kennt.Eine Karikatur ist von einer Zeichnung in dem Sinne zu unterscheiden, als dass jene in der Lage ist, mit wenigen Strichen eine treffende Aussage zu machen. Sie hat es auch nicht nötig, Opfer zu suchen, sondern wirkt in der Sache selbst. Dazu muss sie nicht gross sein. Die Zeichnungen im «Weiss» verdienen den Namen Karikatur nicht, da sie nicht über einen zwanghaften, eher naiven und plumpen Versuch, Höheres zu erlangen, hinauskommen und zwar auch dann nicht, wenn sie grossformatig und farbig gedruckt werden.

Jo. Schädler, Badäl, Gamprin

In eigener Sache

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