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Leserbrief

Öffentlicher Verkehr und Staatsdefizit

Othmar Züger,Aeulegraben 32, Triesen | 9. Juli 2013

Im «Volksblatt» Interview vom 6. Juli 2013 mit Georg Sele vom VCL wird die Kürzung des Landesbeitrags an LIEmobil als «drastisch» bezeichnet und eine Tariferhöhung würde den öffentlichen Verkehr unattraktiver machen, was als Begründung für die Forderung nach Erhöhungen der Abgaben und Steuern des Privatverkehrs dienen soll. Letzterer ist aber, wie in früheren Leserbriefen nachvollziehbar dargelegt, bereits mehr wie kostendeckend. Die Kürzung des Staatsbeitrags an die LIEmobil um 1,4 Millionen Franken von bisher 15,9 Millionen Franken bedeutet eine Kürzung um 8,8 Prozent, was man kaum als «drastisch» bezeichnen kann, jedenfalls nicht vor dem Hintergrund eines Staatsdefizits von über 200 Millionen Franken oder 5600 Franken pro Einwohner und Jahr. Diese 1,4 Millionen Franken Kürzung entsprechen 38 von den 5600 Franken, die es pro Einwohner einzusparen gilt. Diese Kürzung wird den Deckungsgrad der Ausgaben von LIEmobil durch Einnahmen aus dem Personenverkehr von heute 20 auf voraussichtlich circa 25 Prozent bringen. Zum Vergleich liegt diese Kennzahl bei der Postauto Schweiz aktuell bei 27 Prozent. Die Verbesserung der Attraktivität des öffentlichen Verkehrs durch zusätzliche Busspuren ist sehr zu begrüssen, wenn diese über sinnvolle Strassenverbreiterungen realisiert werden können. Staubildende Massnahmen wie die genannten Fahrbahnhaltestellen, mit dem Zweck einer Behinderung und eines Un-Attraktivmachens des Privatverkehrs, sind weder umwelt- noch verkehrspolitisch in irgendeiner Weise zielführend.Die im Interview genannte S-Bahn «FL.A.CH.» wird jedoch kaum ein Verkehrsbedürfnis für Liechtenstein lösen. Gemäss Geschäftsbericht 2012 der LIEmobil benutzen 250 bis 300 Personen die gegenwärtig acht in den Stosszeiten fahrenden Regionalzüge zwischen Buchs und Feldkirch. Nach einem doppelspurigen Vollausbau würden im Halbstundentakt über 30 S-Bahn- Züge pro Tag verkehren. Mit dieser Vervierfachung des Angebots werden aber kaum viermal mehr Personen befördert werden. Ein beträchtlicher Teil der Benutzer werden Umsteiger vom bereits im halbstunden Takt fahrenden Parallel-Angebot der LIEmobil Busse der Linien 11, 13 und 14 sein. Die S-Bahn kann diese Busse nicht ersetzen, müssen diese doch die wesentlich Einwohner-dichteren Achsen Bendern-Eschen-Mauren und Schaan-Nendeln-Eschen-Mauren bedienen, sowie die Busanschlüsse nach Ruggell und Gamprin-Schellenberg sicherstellen. Vor diesen Tatsachen erscheint sowohl die verkehrstechnische als auch verkehrspolitische Sinnhaftigkeit dieses Projekts als sehr fragwürdig. Mit Investitionskosten von 45 bis 50 Millionen Franken und jährlich zu erwartenden, zusätzlichen Betriebskosten in Millionenhöhe steht das Projekt in einem kaum rechtfertigbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis, was auch von den bis Ende 2012 allein für die Planung bereits ausgegebenen 2,8 Millionen Franken und den weiter wachsenden Kosten dafür gesagt werden kann. Vor dem Hintergrund des 209 Millionen Franken Staatsdefizits und dem daraus erwachsenden hohen Spardruck müsste der Landtag baldmöglichst dieses Projekt neu beurteilen und notwendige Entscheidungen dazu treffen.

Othmar Züger,Aeulegraben 32, Triesen


Loch in der PVS

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