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Leserbrief

50 Jahre nach dem Tod des Konzilpapsts

Franz Näscher, Pfr. i. R., Bendern | 3. Juni 2013

Am 3. Juni sind es fünfzig Jahre seit dem Tod von Papst Johannes XXIII.; es war Pfingstmontagabend. Zu diesem Gedenken möchte ich an drei Grundgedanken erinnern, die mit seinem Namen verbunden werden. 1. «Aggiornamento». Er verwendete diesen Begriff erstmals 1957 als Patriarch von Venedig auf einer Provinzialsynode. «Aggiornamento» bedeutet ganz wörtlich übersetzt «Verheutigung». Wenn er sagte, die Kirche brauche ein «aggiornamento», dann meinte er damit, dass sie die Zeichen der Zeit ernst nimmt. Vom Tag nach dem Tod von Papst Pius XII. stammt seine Notiz, dass nun gelte, was er immer schon zu sagen pflegte:«Wir sind nicht auf Erden, um ein Museum zu bewachen,sondern um einen voller Leben blühenden Garten zu pflegen,der für eine herrliche Zukunft bestimmt ist.»2. «Frische Luft». Nach der Ankündigung des Konzils am 25. Januar 1959, ein Vierteljahr nach seiner Wahl, sei er eines Tages gefragt worden, was er damit bezwecke. Er sei aufgestanden und zum Fenster gegangen, als wolle er es öffnen und habe gesagt: «Frische Luft hereinlassen!» Sein damaliger Privatsekretär Capovilla habe es allerdings für eine Anekdote gehalten, aber für eine gute! Capovilla lebt hochbetagt am Geburtsort Johannes’ XXIII., in Sotto il Monte bei Bergamo, wo ich ihm im vergangenen Oktober kurz begegnen durfte.3. «Un balzo inanzi». In seiner Ansprache zur Eröffnung des Konzils sagte Johannes XIII., dass die Kirche «un balzo inanzi» – einen Sprung vorwärts – machen müsse. Daran erinnerte Papst Franziskus einen Monat nach seiner Wahl bei einem Gottesdienst mit Angestellten des Vatikans:«Der Heilige Geist bewegt uns, er lässt uns unterwegs sein, weiterzu-gehen. Er ist die Kraft Gottes, der uns Trost gibt und auch die Kraft vorwärtszugehen.»Johannes XXIII. hat zwei massgebende Enzykliken hinterlassen: 1961 «Mater et Magistra» zu sozialen Fragen und 1963 «Pacem in terris» zu Fragen des Friedens in der Welt. Für den Weltfrieden erwarb er sich während der Kuba-Krise im Oktober 1962 grosse Verdienste, indem er zwischen Präsident John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow vermittelte.Als Angelo Giuseppe Roncalli, so hiess Johannes XXIII. mit bürgerlichem Namen, Ende Oktober 1958, einen Monat vor seinem 77. Geburtstag, zum Papst gewählt wurde, hielt man ihn für einen Übergangspapst. Das stimmt; wir müssen das Wort nur umkehren, dann können wir mit Recht sagen: Johannes XXIII. ist zum «Papst des Übergangs» geworden.

Franz Näscher, Pfr. i. R., Bendern

Zivilcourage

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