Leserbrief

Geplatzter Telecom-Verkauf – eine (verpasste) Chance?

Erich Hasler, Kappelestrasse 15, Eschen,DU-Abgeordneter | 1. Juni 2013

Neben den sachlichen, strategischen, emotionalen und patriotischen Überlegungen, welche die Entscheidung der Abgeordneten beeinflusst haben, gibt es einige Fakten und Zahlen, die in Erinnerung zu rufen sind: Gemäss Geschäftsbericht erwirtschaftete die Telecom Liechtenstein (TLI) im Jahre 2012 einen Gewinn von 1?173?267 Fr. (Vorjahr: Verlust von 1?783?780 Fr.). Auch wenn die Angebote der TLI mit den Angeboten der Swisscom AG nicht 1:1 vergleichbar sind, konnte Herr Reg.-chef-Stellv. Zwiefelhofer in der Landtagsdebatte jedoch bestätigen, dass die privaten Haushalte mit den Gesprächstarifen der Swisscom um 1.5 Mio. Fr. billiger gefahren wären. Faktisch heisst dies, dass der Gewinn der TLI mit höheren Gesprächstarifen bei den privaten Haushalten einkassiert wurde.Betrachtet man die Swisscom Jahresberichte der letzten fünf Jahre, so stellt man fest, dass die Swisscom mit Ausnahme des Jahres 2011 (Sonderabschreiber wegen der italienischen Fastweb) trotz eines leicht rückläufigen Nettoumsatzes (-6.7 % seit 2008), einen relativ konstanten Gewinn erwirtschaften konnte (ca. 14 % des Nettoumsatzes). Legt man dieses Ergebnis auf die TLI um, welche im Jahre 2012 einen Nettoumsatz von ca. 50 Mio. Fr. erzielt hatte, so hätte ein Gewinn von 7 Mio. Fr., nota bene mit den tieferen Swisscom-Gebühren, resultieren müssen. Anhand dieser Zahlen sieht man bereits, dass die TLI momentan sehr weit von einer nachhaltigen, wettbewerbsfähigen Position entfernt ist. Stellt man sich im Übrigen vor, dass das Land Liechtenstein bei einem Verkauf der TLI immer noch 25 % der TLI-Aktien besessen hätte, so wären dem Land mit grösster Wahrscheinlichkeit jährliche Dividenden in der Grössenordnung von 1 bis 1.5 Mio. Fr. zugeflossen (vgl. Ausschüttungspolitik der Swisscom AG). Dazu kämen Unternehmenssteuern von mehreren Hunderttausend Schweizer Franken (12.5 % (= 1/8) vom Gewinn). Insgesamt also jährliche Einnahmen von mehr als 2 Mio. Fr.Grundsätzlich würden sich wohl die meisten Leute eine eigenständige, mit eigenen Leuten aus dem Land funktionierende Telefonie wünschen, vorausgesetzt ein zufriedenstellendes Resultat kommt zustande. Der Weg ohne Swisscom war im Zeitpunkt der Debatte zu wenig im Detail aufgezeigt worden. Durch Eintreten auf die Vorlage hätten noch verschiedene Details bis zur zweiten Lesung geklärt und eine Offenlegung der Verträge für die Abgeordneten erreicht werden können. Dann hätten sich die Abgeordneten echt zwischen zwei Alternativen entscheiden können. Die Regierungsparteien und die vermeintlichen Sieger der Abstimmung sind nun in der Pflicht zu zeigen, dass eine «liechtensteinische Lö sung» konkurrenzfähig ist, d. h. gleiche Gesprächstarife und Qualität wie die Swisscom bieten kann. Als Abgeordneter ist mir wichtig, dass keine neuen Steuergelder in der Telekommunikation «verbraten» werden. Zig-Millionen Investitionen (und Abschreiber!) in die FL Telekommunikation, Dutzende Gutachten (Kosten von 1.86 Mio. Fr. allein in den letzten beiden Jahren (!)), müssen genug sein. Somit ist die sich bietende «Chance» auch die «letzte Chance» für die FL Telekommunikation.

Erich Hasler, Kappelestrasse 15, Eschen,DU-Abgeordneter

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