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Leserbrief

Gleichstellung?ist der Schlüssel?zum Erfolg

Frauenhaus Liechtenstein | 1. Juni 2013

Stellungnahme zur aktuellen Situation der Kommission für Chancengleichheit sowie der Stabsstelle für Chancengleichheit:Gemäss der «Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene» ist die Gleichstellung von Frau und Mann ein Grundrecht aller Menschen sowie ein Grundrecht jeder Demokratie. Um dieses Ziel zu erreichen, muss dieses Recht nicht nur vor dem Gesetz anerkannt sein, sondern wirksam auf alle Bereiche des Lebens angewendet werden wie Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist trotz vielfältiger formaler Anerkennung und zahlreicher Fortschritte im Alltag noch immer nicht Realität geworden. Frauen und Männer geniessen in der Praxis nicht dieselben Rechte. Gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und kulturelle Ungleichheiten bestehen weiterhin, etwa bei Löhnen sowie bei der politischen Vertretung, in der Frauen unterrepräsentiert sind.Diese Ungleichheiten sind das Ergebnis sozialer Konstrukte, die auf zahlreichen Stereotypen in den Bereichen Familie, Bildung, Kultur, Medien, Arbeitswelt, gesellschaftliche Organisationen usw. beruhen. Es existieren nach wie vor viele Felder, in denen Handlungsbedarf besteht, in denen neue Ansätze und strukturelle Veränderungen eingeführt werden können. Um eine Gesellschaft, die auf Gleichstellung beruht, schaffen zu können, müssen lokale und regionale Regierungen die Genderdimension in ihrer Politik, Organisation und praktischen Arbeit umfassend berücksichtigen. Eine Gleichstellung von Frauen und Männern ist der Schlüssel zu unserem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg.Auch Liechtenstein hat sich national und international verpflichtet, die Gleichstellung von Frau und Mann sowie in weiteren Menschenrechtsthemen voranzubringen. So gewährleistet bei uns die Kommission für Gleichstellung von Frau und Mann durch ihre Funktion als Beratungsorgan der Regierung die Umsetzung der erforderlichen Massnahmen im Hinblick auf die Gleichstellung von Frau und Mann.Zudem ist im Alltag eine enge Zusammenarbeit zwischen den Verbänden und Organisationen unerlässlich, um die Chancengleichheit in verschiedenen Lebensbereichen zu fördern: Gleichstellung von Frau und Mann, Menschen mit einer Behinderung, Migration und Integration, Soziale Benachteiligungen, sexuelle Orientierung usw. Nur durch die Kooperation mehrerer Fachpersonen und Betroffenen können unterschiedliche Zielgruppen angesprochen und deren spezifische Anliegen bearbeitet werden.In Liechtenstein hat die Stabsstelle für Chancengleichheit bis anhin die Aufgabe, sich für die Förderung der Chancengleichheit in den genannten Lebensbereichen einzusetzen. So verhalf u. a. die Stabsstelle für Chancengleichheit dem Frauenhaus Liechtenstein zur Anerkennung als privater Sozialhilfeträger. Das Frauenhaus Liechtenstein setzt sich ein, um jegliche Gewalt an Frauen und Kindern möglichst zu beenden. In dem Rahmen erarbeiteten das Frauenhaus und die Stabsstelle für Chancengleichheit immer wieder gemeinsame Kampagnen und Projekte, die die häusliche Gewalt thematisierten. Zu nennen sind bspw. die «Anti-Gewalt-Kampagne», das länderübergreifende Interreg-Projekt «Grenzen überschreiten – Grenzen setzen», welches erstmals empirische Daten beschaffte zu häuslicher Gewalt in Liechtenstein, sowie das Projekt «Menschen und Frauenhandel mit dem Schwerpunkt Sexarbeit in Liechtenstein» oder die gemeinsame Ausstellung «Hinter der Fassade» und das länderübergreifende Interventionsprogramm «S.I.G.N.A.L. – gegen häusliche Gewalt». Zudem arbeiten die Stabsstelle für Chancengleichheit und das Frauenhaus Liechtenstein in mehreren Arbeitsgruppen mit weiteren Organisationen zusammen, so z. B. in der Arbeitsgruppe zum Thema «Gemeinsame Obsorge» oder zum Thema «Migrantinnen und häusliche Gewalt in FL» sowie zum Thema «Aussergerichtlicher Tatausgleich bei häuslicher Gewalt».Seit rund fünf Jahren, d.h. seit 2008, ist die Stabsstelle für Chancengleichheit, die als Geschäftsstelle für die Gleichstellungskommission fungiert, unterbesetzt und vor zwei Jahren hat die langjährige Stellenleiterin Bernadette Kubik-Risch gekündigt. Derzeit wird die Stabsstelle von Thomas Hasler als Mitarbeiter des Ministeriums für Gesellschaft interimistisch geleitet. Dieser kann die Leitung jedoch nur im Nebenamt wahrnehmen. Nun sind in den vergangenen Wochen ernüchternde Neuigkeiten in den liechtensteinischen Zeitungen erschienen. Demnach hat die Gleichstellungskommission in Erfahrung gebracht, dass die Regierung nicht vorhabe, die Stellenleitung hauptamtlich zu besetzen. Das Büro der Stabsstelle wird ab kommenden Sommer also voraussichtlich leer stehen. Aufgrund dessen kann die Kommission für die Gleichstellung von Frau und Mann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen und ist geschlossen zurückgetreten.Das Frauenhaus Liechtenstein nimmt die neusten Entwicklungen mit grosser Betroffenheit zur Kenntnis. Einerseits verstehen und unterstützen wir den mutigen Rücktritt der Gleichstellungskommission. Andererseits sind wir bestürzt, dass dadurch in Liechtenstein staatliche Strukturen verloren gehen, die sich für die Gleichstellung von Frau und Mann einsetzen. Deshalb erachten wir es als unerlässlich, dass die Stabsstelle ab sofort hauptamtlich besetzt wird. Zusätzlich braucht es erneut eine starke Kommission, die sich engagiert für die Gleichstellung einsetzt. Denn nur mit einer aktiven Gleichstellungskommission und mit einer funktionierenden Stabsstelle ist es gewährleistet, dass die Chancengleichheit auch weiterhin gefördert wird und damit auch ein wichtiger Grundstein gelegt wird für ein gewaltfreies Leben von Frauen und Kindern.


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