Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Falsche Angaben von 1FLTV

| 13. Mai 2013

Funkstille?Die dubiosen Vorgänge rund um die Landtagswahl-Berichterstattung von 1FLTV harren immer noch der Aufklärung. Bereits im Februar kündigte die Regierung eine Untersuchung und «Konsequenzen» an – geschehen ist bis heute nichts.

Von Johannes Mattivi

Die Liste der Vorwürfe gegen 1FLTV ist lang und pikant: Zuerst gab es Ungereimtheiten bei der Auftragsvergabe für die drei TV-Sendungen rund um die Landtagswahlen vom 3. Februar, dann gab es heftige Kritik an der Qualität der Berichterstattung und zuletzt stand sogar der Verdacht auf Täuschung oder Offertbetrug im Raum. Am 6. Februar kündigte der damalige Medienminister Martin Meyer auf Radio L folgerichtig an, dass die Angelegenheit untersucht werde: «Dieser Vorfall muss natürlich Konsequenzen haben. Da muss man sowohl mit den Spitzenbeamten, die dieses Geschäft vorbereitet haben, wie auch mit der Vergabekommission hart ins Gericht gehen.» Er sei persönlich «sehr enttäuscht» über die 1FLTV-Berichte vom Wahlsonntag, so Meyer. Auch die beiden Diskussionssendungen mit Landtags- und Regierungskandidaten im Vorfeld zu den Wahlen erfüllten Meyers Erwartungen nicht. Da war der Medienminister bei Weitem nicht allein. Auch viele Zuschauer übten in Leserbriefen sowie auf Twitter und Facebook heftige Kritik an der Qualität des vom privaten TV-Sender im öffentlichen Auftrag mit Steuergeld Gebotenen.

Drei Monate später ist – zumindest vorläufig – keine Rede mehr von den angekündigten Untersuchungen und Konsequenzen. Dabei stehen die Vorwürfe immer noch im Raum. Zunächst einmal: Warum bekam 1FLTV überhaupt den Zuschlag zur Wahlberichterstattung? Bei der ersten offiziellen Ausschreibung im Herbst hatte ein Mitbewerber, die Filmfabrik Anstalt mit Sitz in Triesenberg, die günstigste Offerte gestellt. Nach Insider-Infos lag das Angebot der Filmfabrik um 27?000 Franken unter jenem von 1FLTV. Doch statt dem Zuschlag folgte aus nicht nachvollziehbaren Gründen eine Nachbesserung der Ausschreibung. Plötzlich wurde für die Sendungen ein teures Hightech-Equipment verlangt, über das 1FLTV nach eigenen Angaben verfügte, für das die Filmfabrik hingegen aufrüsten musste. Woraufhin das Angebot der einheimischen Filmfabrik nun um 5 Prozent über jenem des österreichisch-schweizerischen Mitbewerbers 1FLTV lag und Letzterer schliesslich den Zuschlag zum Preis von 155?602 Franken erhielt.

Die nächste Überraschung folgte im Februar, als 1FLTV auf Wahlsendung ging. Von wegen teures Hightech-Equipment, von dem 1FLTV in seiner Offerte behauptet hatte, es sei rund 700?000 Franken wert – und das noch ohne Licht und Ton. Ein Insider, der das vom TV-Sender eingesetzte Material begutachtete, schätzte dessen Wert auf höchstens 80?000 Franken. Also auf nur rund ein Zehntel der Angaben, mit denen 1FLTV die Ausschreibung gewonnen hatte. Ein Fall von Täuschung oder gar Offertbetrug? Das müsste eine juristische Untersuchung klären. Für eine Beschwerde seitens der unterlegenen Filmfabrik ist es jedenfalls zu spät. Die hätte innerhalb von zwei Wochen nach der Auftragserteilung erfolgen müssen. Und da waren noch nicht alle Fakten bekannt. Bleibt noch die Frage nach der viel kritisierten mangelhaften Qualität der Wahlberichterstattung, die mit inhaltlichen Schwächen, technischen Pannen und zahlreichen Leerläufen unrühmlich brillierte. Ob das damals Gebotene wirklich rund 155?000 Franken Steuergeld wert ist, wird die Regierung beantworten müssen. Falls die Rechnung nicht schon bezahlt ist.

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung