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Leserbrief

Verhältnis von?Staat und Religion

Robin Schädler,Balzers | 23. März 2013

Sehr geehrte Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner,was für ein Verhältnis sollen Kirche und Staat Ihrer Meinung nach in Zukunft in Liechtenstein pflegen? Folgende Möglichkeiten stehen meines Erachtens zur Auswahl: 1) Die Kirche ist dem Staat unterworfen. 2) Der Staat ist der Kirche unterstellt. 3) Kirche und Staat sind autonom in ihren Zuständigkeitsbereichen.
1) Wir leben in einem Kulturkreis, der über viele Jahrhunderte stark von der katholischen Kirche geprägt war und es teils immer noch ist. Aus meinem zehnjährigen Ministrantendienst habe ich selbst viele positive Erfahrungen gezogen. Wenn wir die Kirche dem Staat unterwerfen, würden wir meiner Meinung nach unserer Herkunft nicht gerecht werden.
2) Im Konkordat wird der Staat hingegen der katholischen Kirche unterstellt. Im Gegensatz zur Beschränkung der Niederlassung von «weltlichen» Ausländern kann die katholische Kirche unbeschränkt ausländisches Personal ansiedeln (Art. 3). Im Gegensatz zu «weltlichen» Stiftungen unterstehen kirchliche Stiftungen keinerlei staatlicher Aufsicht (Art. 4). Im Gegensatz zu «weltlichen» Bürgern müssen Kirchenangestellte in keinem Fall vor Gericht aussagen (Art. 7). Im Gegensatz zu «weltlichen» Verträgen kann Liechtenstein das Konkordat nicht einseitig kündigen. Die Zustimmung der katholischen Kirche wird benötigt, und selbst dann muss Liechtenstein dafür eine Abfindungssumme von zwei Jahresbeiträgen (mindestens 7 Mio. Franken) bezahlen (Art. 29).
3) Eine autonomiebasierte Kooperation von Staat und Kirche erachte ich als klar sinnvoller. Beide Institutionen haben dabei ihre Autonomiebereiche, innerhalb derer sie selbstbestimmt agieren. So hat der Staat sich bei der Besetzung von Priesterstellen und der Festlegung von ?Messinhalten zurückzunehmen. Im Gegenzug kann die katholische Kirche nicht wie im Konkordat staatliche Bestimmungen übergehen, die für alle gelten. Nur durch die jeweilige Autonomie wird der nötige Respekt gewahrt, den es für eine zukünftige erfolgreiche Zusammenarbeit braucht.
Ich bin gegen ein Konkordat, das eine Verschiebung des Verhältnisses von Kirche und Staat hin zu einer Vorherrschaft der Kirche zur Folge hätte. Ich bin für einen verwaltungsrechtlichen Vertrag, der für ein kooperatives Miteinander steht und einzig eine Vermögensregelung umfasst. Diese Regelung sollte im Gegensatz zum Konkordat nicht Grundflächen im Umfang von ca. 65?000 Quadratmetern quasi gratis an die katholische Kirche abgeben (Berechnung mit Geodatenportal).


Robin Schädler,Balzers

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