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Leserbrief

Jens Thiemer: «Jeder ?Fehler ist aus unserer Sicht einer zu viel»

| 1. Februar 2013

Kritik?Die Herausgeber des umstrittenen Buchs «Lebensglück Liechtenstein, Sven Kielgas und Jens Thiemer, wollen auf eine allfällige zweite Auflage hin alle Fehler ausmerzen. Der Grossteil der Rückmeldungen insbesondere aus dem Handel sei bislang positiv ausgefallen.

von martin hasler

«Volksblatt»: Der Van Eck Verlag, der «Lebensglück Liechtenstein» ursprünglich hierzulande vertreiben wollte, hat angekündigt, dies nicht zu tun, da das Buch «sehr viele gravierende Fehler» aufweise und unsauber lektoriert sei. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Jens Thiemer: Zunächst ist uns wichtig, nochmals auf die Entstehungsgeschichte dieses Buchs hinzuweisen. Wir sprechen über eine rein privatwirtschaftliche Initiative, die im Wesentlichen vom Umschau-Verlag und uns als Herausgebern voran getrieben wurde. Das Buch hat zwei Ziele: Zunächst einmal soll es interessierten Lesern aus dem Ausland und Liechtenstein das Land in all seinen Facetten näherbringen; ausserdem soll es auf Identitätsveränderungen hinweisen. Wir durften den Identitätsprozess ja mitbegleiten – insofern war es für uns im Sinne des Fürstentums eine gute Gelegenheit, weitere Kreise über diesen Prozess zu informieren.Zu Ihrer Frage: Herr van Eck hat sich mit seiner Kritik über die Medien indirekt an uns gewandt. Wir nehmen diese Fehler sehr ernst: Jeder gemachte Fehler ist aus unserer Sicht einer zu viel. Wir bedauern auch, dass es dazu gekommen ist. Momentan sammeln wir alle Hinweise auf Fehler inhaltlicher und orthografischer Natur mit dem Ziel, dass in einer zweiten Auflage möglichst alle Fehler korrigiert werden. Sven Kielgas: Es gibt da ein paar Dinge, die aus Liechtensteiner Sicht wie Fehler aussehen – beispielsweise, dass ein Bewohner Eschens sich nicht als Eschener, sondern als Eschner bezeichnet. Das Buch ist aber bewusst nicht im Dialekt geschrieben, sondern auf Hochdeutsch; die Ableitung von Eschen auf Eschener ist da absolut legitim und korrekt – ein Mensch aus Essen würde sich ja auch als Essener bezeichnen. Insofern schiesst die Kritik auch über das Ziel hinaus, weil man nicht weiss, für welches Zielpublikum das Buch verfasst wurde – und das liegt wie gesagt zu einem grossen Teil ?ausserhalb des Landes.

Schlussendlich liegt aber das Zielpublikum zumindest zu einem gewissen Teil auch in Liechtenstein selbst – die Regierung selbst hat 500 Exemplare gekauft, auch zahlreiche Staatsunternehmen haben die Abnahme von Büchern zugesagt. Haben Sie nicht den Anspruch, dass sich auch ein Liechtensteiner damit identifizieren kann?

Jens Thiemer: Absolut – und wir wollen es bei der zweiten Auflage besser machen, als es jetzt ist. Vielleicht ist die Einschätzung auch etwas differenzierter zu sehen: Im liechtensteinischen Fernsehen war vor einigen Tagen beispielsweise ein Beitrag zu sehen, in dem sich die Liechtensteinischen Kraftwerke dazu äusserten, die ja 150 Bücher vorbestellt und 140 davon bereits verschenkt haben. Die sind sehr zufrieden mit dem Buch und haben bisher auch gutes Feedback erhalten. Es ist auch eine Frage der Verhältnismäs-sigkeit, die man den Fehlern relativ zum Buch zugesteht – schliesslich zeigt es in dieser Form zum ersten Mal den Facettenreichtum des Landes auf. Für wie schlimm und kritikwürdig man da die unschönen Fehler hält, ist eine andere Frage. Sven Kielgas: Noch eine Anmerkung zum Thema Fehler: Wir waren vor Kurzem beim Liechtenstein-Dialog und wurden bei dieser Gelegenheit von Radio Liechtenstein zu diesem Thema interviewt. Dabei hat der Sender zwei Mal in Folge meinen Namen verunstaltet – ich heisse Kielgas und nicht Kielglas. Dennoch komme ich ja auch nicht auf die Idee, daraufhin in einem Leserbrief die Qualität des Journalismus und insbesondere des Radios in Liechtenstein in- frage zu stellen. Ich frohlocke darüber auch nicht, sondern will nur sagen: Vor solchen Fehlern ist niemand gefeit, das ist eben menschlich.

Niemand ist vor Fehlern gefeit, aber man kann natürlich bestmögliche Vorkehrungen treffen, um diese so weit möglich zu vermeiden. In diesem Fall hätte das beispielsweise durch den Einbezug eines Lektors oder Korrektors aus Liechtenstein geschehen können.

Jens Thiemer: Solche Dinge liegen in den Händen des Verlags – wir als Herausgeber haben ja auch nur einen Vertrag mit dem Verlag. Der Verlag hat neben uns verschiedene Fachpersonen in dieses Projekt einbezogen, unter anderem einen liechtensteinischen Fotografen. Natürlich ist das Buch durch ein Lektorat gelaufen, dessen Qualität nun jedoch von einigen Seiten angezweifelt wird. Wir sind derzeit mit der Auswertung aller Fehler beschäftigt, um zu einer endgültigen Beurteilung dieser Frage zu kommen. Hier ist aber auch zu sagen, dass auch ein Lektorat aus Liechtenstein nicht davor gefeit gewesen wäre, dass menschliche Fehler passieren. Insofern sollte man diese Frage nicht an Fachkräften aus dem Ausland oder aus Liechtenstein aufhängen, sondern schlicht die Qualität des Lektorats beurteilen. In diesem Bereich ist natürlich Fehlerfreiheit anzustreben, das konnte in diesem Fall aber nicht erreicht werden.

Wenn wir nun von diesen Fehlern absehen: Im Vorwort schreiben Sie, bewusst gegen Klischees angehen zu wollen, die es über Liechtenstein insbesondere in Deutschland gibt. Ihrem Buch könnte man im Gegenteil vorwerfen, ein verklärendes und idealisiertes Bild Liechtensteins zu verbreiten. Was sagen Sie dazu?

Sven Kielgas: Wir sind im Rahmen des Identitätsprozesses unbelastet in das Land gekommen, würden uns aber mittlerweile doch als ganz gute Kenner bezeichnen. Wenn man von aussen auf das Fürstentum blickt, sieht man zwei Dinge: Entweder immer noch – und so etwas hält sich eben lange – die üble Nachrede über Dinge, die mittlerweile Vergangenheit sind; oder ein Schulterzucken, da sich viele ausser der Geschichte mit den schwarzen Koffern nichts unter Liechtenstein vorstellen können und nie selbst im Land waren. Liechtenstein ist unglücklicherweise ein weisser Fleck auf der europäischen Landkarte. Unsere Absicht war es, und dem Fernsehbeitrag nach zu urteilen ist uns das auch gelungen, das Land durch seine verschiedenen Facetten und vor allem durch seine Menschen darzustellen. Wir haben eine aufrichtige, positive Leidenschaft für das Fürstentum entwickelt und das zeigt wohl auch, wie sehr man dieses Land liebgewinnen kann, wenn man sich erst einmal darauf einlässt. Dass es idealisiert ist, sehe ich ohnehin nicht – da werden nachprüfbare Fakten dargestellt. Vielleicht liegt diese Kritik darin begründet, dass Liechtensteiner eine solche Sichtweise aus dem Ausland gar nicht gewohnt sind – das Buch könnte so auch ein Schreck im positiven Sinne sein.

Sie sprachen gegenüber dem «Volksblatt» davon, dass die Rückmeldungen des Marktes und des Handels «vielversprechend und ausgesprochen positiv» seien. Wie geht es mit dem Buch jetzt weiter?

Jens Thiemer : Wie gesagt, die Hauptzielgruppe liegt in den deutschsprachigen Ländern Öster reich, der Schweiz und Deutschland, wir freuen uns aber auch über Käufer aus Liechtenstein. Was wir bislang vom Verlag zurückgespielt bekamen, war eine sehr positive Resonanz des Buchhandels auf die Vorankündigung, dass es in den kommenden Wochen ausgeliefert wird. Über seine Netzwerke in der Schweiz und Österreich ist der Umschau-Verlag auch so aufgestellt, dass der liechtensteinische Buchhandel trotz des Rückzugs von Herrn van Eck bedient werden kann. Sollte es genügend Nachbestellungen geben, werden auf eine zweite Auflage hin – so wie es sich gehört – alle Fehler bereinigt.

Wie bereits erwähnt, waren Sie bei der Entwicklung einer neuen Marke für Liechtenstein federführend. Welche Bilanz ziehen Sie zu diesem Prozess heute?

Sven Kielgas: Dieser Prozess ist zunächst einmal weltweit vorbildlich – das Fürstentum und insbesondere die Regierung Tschütscher haben da einen im weltweiten Vergleich modellhaften Prozess initiiert. Wir waren uns einig, dass es hier nicht nur um eine gestalterische, sondern auch eine inhaltliche Frage gehen muss: Eine Marke lebt schlussendlich von ihren Werten und dem Nutzen für die Menschen in diesem Land, was dann im Logo seine fassbare Ausprägung findet. Der Prozess ging sehr schnell voran, innert kürzester Zeit haben wir gemeinsam mit weit über 100 Interessensvertretern aus allen gesellschaftlichen Schichten in 39 Workshops ein Leitbild erarbeitet, das die fundamentalen Prinzipien und Werte vereint. Auf der Basis des Selbstverständnisses Liechtensteins, das sich aus diesem Prozess ergab, wurde auch etwas geschaffen, das sich ansehen und anfassen lässt: Ein neues Logo. Auch hier wurde mit der Volksabstimmung über die Favoriten – nicht nur aufgrund des Wahlalters ab 14 Jahren sehr innovativ – ein mutiger Weg eingeschlagen. Die fundamentalen Prinzipien und daraus abgeleiteten Werte sollten jetzt im täglichen Leben erfahrbar gemacht werden, das geht aber bekanntermassen nicht so schnell – diese inhaltliche Diskussion muss mit der breiten Bevölkerung noch geführt werden. Wer das Buch liest, sollte hierauf gut vorbereitet sein.

In einer Podiumsdiskussion beim Liechtenstein-Dialog war die Rede von einem weltweiten Kampf um Talente, in dem jedes Land versuchen müsse, die Nase vorn zu haben – dabei wurde auch die Schaffung von Marken thematisiert. Ist der Markenprozess auch vor diesem Hintergrund zu sehen?

Jens Thiemer: Die Diskussion war aus unserer Sicht sehr erfreulich. Da wurde deutlich gemacht, dass Werte zu den wichtigsten Faktoren zur Differenzierung zwischen Regionen und Nationen gehören. Der in Liechtenstein bereits umgesetzte Prozess wird diesen Forderungen in exemplarischer Art und Weise gerecht, das hat uns natürlich gefreut. Allerdings sollte dieser Weg in Liechtenstein nun auch konsequent fortgeführt werden, um davon als Land wirklich nachhaltig zu profitieren. Sven Kielgas : Es war ein anspruchsvoller und aufwendiger, aber eben auch erfreulicher und segensreicher Prozess, den wir bis zu diesem Zeitpunkt begleiten durften. Ich glaube, es ist korrekt zu sagen, dass es in keinem anderen Land bei einer Leitbild-erarbeitung so schnell zu so konkreten und breit akzeptierten Erfolgen gekommen wäre – das ist natürlich auch der Kleinheit Liechtensteins geschuldet. Man wird aber auch weitermachen müssen, um die wahren Früchte der Marke und der differenzierenden Positionierung tatsächlich als Vorteil zu nutzen im Kampf um Talente, die Attraktivität der Feriendestination und die Ansiedlung von Unternehmen.

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