Leserbrief

Geisterfahrt

Pio Schurti, DU – Die Unabhängigen, Triesen | 18. Januar 2013

Am letzten Samstag überliess das Volksblatt Georg Sele, dem Präsidenten des VCL, eine ganze Interview-Seite, um seine «grosse Vision von einer Trambahn durch das Oberland» zu präsentieren. Beim Lesen wurden schlimme Erinnerungen wach. Um die Jahrtausendwende umnebelte eine andere Vision alles praktische, lösungsorientierte Denken: Gasbusse! Damals, vor gut zehn Jahren, wurde der öffentliche Verkehr umgekrempelt. Mit Gasbussen sollte alles besser werden. Heimische Busunternehmen und skeptische Buschauffeure wurden wie der letzte Dreck behandelt (Entlassungen, etc.). Anstatt umweltfreundlicher und günstiger, wurde alles ineffizient und teurer. Liechtenstein baute sich zwei Gastankstellen, diejenige in Vaduz soll eine der grössten in der Welt sein. Die andere Gastankstelle im Unterland wurde inzwischen wieder abgerissen, denn die Gasbusse werden aufgegeben. Nur noch wenige Gasbusse fahren, bis sie ausgemustert werden müssen. Das ganze Gasbus-Projekt war ein riesiger, teurer Flop. Wie konnte das passieren? Weil «Visionen» umgesetzt werden, anstatt anstehende Probleme praktisch denkend und mit Augenmass zu lösen. Dies gilt auch für das S-Bahn-Projekt «FL-A-CH» oder die Oberländer Trambahn. Da wird geplant und «visioniert», als hätten wir auf ewige Zeiten Geld genug, um jede Vision zu finanzieren, ob sie nun funktioniert oder nicht. Als Vorbild für die Trambahn im Oberland gelte die Strassenbahn in Mulhouse. Mulhouse hat rund 110 000 Einwohner, der Grossraum von Mulhouse rund 280 000 Einwohner. Liechtenstein ist zwar ein souveräner Staat, aber einwohnermässig nicht annähernd eine Stadt. Man kann Konzepte und Projekte nicht einfach so übernehmen: Die Herausforderungen, die sich uns im Verkehr stellen, können wir besser lösen, wenn wir uns nicht an Städten oder Grossräumen wie Mulhouse orientieren.Die Verkehrspolitik der letzten Jahre – ob rot, schwarz oder weiss – war eine einzige Geisterfahrt. Anstatt selbst das Steuer in die Hand zu nehmen, wurden «Visionen» des VCL übernommen und Millionen in den Sand gesetzt. Die Verkehrspolitik ist ein gutes Beispiel für die Misere in unserer Politik. Es werden bestimmte Interessen verfolgt, anstatt sachlich, auf harten Fakten abgestützt, die Zukunft zu gestalten. Diese Art von Politik müssen wir ändern. Die Wählerinnen und Wähler können den Anstoss geben, indem sie nicht Rot oder Schwarz wählen, sondern DU. Die FBP und die VU brauchen nicht unterstützt zu werden. Sie kommen sowieso in den Landtag. Was die beiden Parteien brauchen ist Gegensteuer – damit sie uns mit ihrer Partei- und Interessenspolitik nicht gerade an die Wand fahren.

Pio Schurti, DU – Die Unabhängigen, Triesen


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