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Leserbrief

«Wäscheständer beschädigt»

| 28. Dezember 2012

Auszeichnungen?« Vetorecht» ist dieses Jahr von einer fünfköpfigen Jury aus 350 Vorschlägen ausgewählt und zum Wort des Jahres 2012 gekürt worden. Zum Unwort des Jahres wählte die Jury das Wort «Demenzstrategie». Die Pressemitteilung des Jahres geht einmal mehr auf das Konto der Landespolizei.

Dies teilte die Jury in einer Pressemitteilung mit. In der ersten Hälfte des Jahres 2012 war das Wort Vetorecht demnach sprichwörtlich in aller Munde. Eine Volksinitiative aus dem Kreis der Liechtensteiner Demokratiebewegung hatte verlangt, dass der Landesfürst oder sein Stellvertreter nach Volksabstimmungen nicht vom Vetorecht Gebrauch machen darf. Somit hätten die Liechtensteiner Stimmberechtigten bei Urnenabstimmungen das letzte Wort gehabt. Die Initiative hatte sowohl im In- als auch im Ausland hohe Wellen geschlagen. Dies vor allem, weil die Fürstenfamilie angekündigt hatte, sich aus der Politik zurückzuziehen, sollte die Initiative angenommen werden. Die Volksseele kochte in den Leserbriefspalten der Landeszeitungen über. Die Befürworter der Initiative wurden als Monarchieabschaffer beschimpft, die Gegner als unterwürfige Untertanen. Letztendlich wurde die Veto-Initiative Anfang Juli mit 76 Prozent Nein-Stimmen im hohen Bogen abgeschmettert.

Zum Unwort des Jahres 2012 wurde der Begriff Demenzstrategie erkoren. Im Februar 2012 hat die Regierung darüber informiert, dass sie eine Demenzstrategie für Liechtenstein erarbeite. Dies deshalb, weil aufgrund der allgemein höheren Lebenserwartung die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken, stetig ansteigt. Die Jury erachtet die Massnahme zwar als löblich, kritisiert aber die unpassende Namensgebung für das Projekt. Immerhin, durch die Auszeichnung zum Unwort des Jahres wird die Demenzstrategie nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Der Satz des Jahres 2012 lautet «Ausländer haben eine Pufferfunktion». Der Satz ist zu lesen in der Forschungsarbeit des KOFL zum Thema «Ausländerbeschäftigung in Liechtenstein: Fluch oder Segen?» von Kersten Kellermann und Carsten-Henning Schlag. Der Satz ist so markant, dass ihn die Wirtschaftzeitung «Wirtschaft regional» in der Berichterstattung über die Studie zur Schlagzeile gemacht hatte. Der Fakt, dass zwei Drittel der Arbeitsstellen in Liechtenstein von Ausländern besetzt sind, wurde in der Forschungsarbeit bewertet. Die Autoren kamen in der Studie zum Schluss, dass der Wirtschaftsstandort Liechtenstein ohne Ausländerbeschäftigung undenkbar wäre. Verdrängungseffekte heimischer durch ausländische Arbeitskräfte hätten in diesem Zusammenhang nicht nachgewiesen werden können.

Bereits zum unterdessen dritten Mal innerhalb von vier Jahren erhält die liechtensteinische Landespolizei die mit einem Augenzwinkern verliehene Spezialauszeichnung «Pressemitteilung des Jahres». Ausgezeichnet wird die Medienmitteilung vom 10.9.2012 mit dem Titel «Wäscheständer beschädigt». In der besagten Mitteilung berichtet die Landespolizei von einer ganz besonders dreisten Tat: In Vaduz seien zwei Wäscheständer aus den jeweiligen Verankerungen gerissen und anschliessend in einen Bach geworfen worden. Eine «Sonderkommission» der Landespolizei war demnach natürlich sofort zur Stelle und hielt später ihr Tun in der besagten Pressemitteilung fest. (red/pd)

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