Leserbrief

Karl Konrad †

| 27. Dezember 2012

Eine gros-se Trauergemeinde nahm am 20. Oktober in der Pfarrkirche Schaan Abschied von Karl Konrad. Mit folgenden Worten blickte seine Familie in Dankbarkeit auf sein erfülltes Leben zurück: «Unser Papa ist nach einem erfüllten Leben in den frühen Morgenstunden des 18. Oktober zu Hause im Beisein unserer Mama friedlich eingeschlafen. Still und leise ist er von uns gegangen, so wie er gelebt hat. Mit seinem Tod verliert Mama ihren zuverlässigen, treubesorgten Wegbegleiter der vergangenen 60 Jahre, meine Schwester und ich einen herzensguten Papa, auf den wir uns immer verlassen konnten, und die fünf Enkel ihren geschätzten Opa, bei dem sie immer willkommen waren und dem jeder Besuch stets viel Freude bereitete. So werden wir Papa als treubesorgten, liebenswürdigen und gutmütigen Menschen in Erinnerung behalten.Geboren am 13. August 1917, ist Papa mit fünf Brüdern und zwei Schwestern in einer Grossfamilie aufgewachsen. Seine Kindheits- und Jugendjahre fielen in eine wirtschaftlich ausgesprochen schwierige Zeit, in der es seinen Eltern alles abverlangte, eine solche Grossfamilie durchzubringen. Dies war umso mehr der Fall nach dem frühen Tod seines Vaters Johann, als einige der Geschwister noch in einem jugendlichen Alter waren.So galt es für Papa schon früh, bereits in jungen Jahren mit anzupacken und im elterlichen Bauernbetrieb fleissig mitzuarbeiten. Einen grossen Teil seiner Jugendzeit verbrachte er als «Pföhlerbuab» bei seinem Ehni in der Obergass, wo er so etwas wie sein zweites Zuhause hatte. Gleich nach Schulabschluss fand er Arbeit in der damaligen Polstermöbelfabrik Stragupo im Mühleholz, um mit seinem Lohn früh einen wichtigen Beitrag zum Unterhalt der Familie zu leisten. Später arbeitete er viele Jahre in der Contina AG in Mauren, bevor er nach deren Schliessung bis zu seiner Pensionierung in der Ivoclar AG als zuverlässiger, geschätzter Lagerist in der Werkzeugausgabe tätig war.Im April 1951 feierte Papa Hochzeit mit unserer Mama Hilda, geborene Schwenninger. Innerhalb der nächsten drei Jahre wurden sie stolze Eltern einer Tochter und eines Sohnes. 1960 erfüllten sich Mama und Papa durch den Kauf eines Hauses in der Obergass einen Traum. Mit grosser Freude bezogen sie mit der jungen Familie das schön gelegene Haus, in dem Papa bis zuletzt mit Mama gewohnt hat. Das Wohlergehen der Familie war beiden immer das höchste Gut, und so freute sich Papa mit Mama an jedem Erfolg ihrer Kinder und später dann auch ihrer Enkelkinder, und sie fühlten mit ihnen, wenn etwas nicht so gut ging. Besondere Freude bereitete ihm und Mama die Gründung der Familien ihrer Kinder. Die fünf Enkelkinder und mittlerweile schon fünf Urenkel bedeuteten ihnen viel. «Sie halten mich jung», pflegte Papa zu sagen. Neben ihrer grossen Freude über jeden ihrer Besuche ist die Fotogalerie in der Stube sichtbares Zeichen des Stolzes auf ihre Grossfamilie.Neben der Familie hatten Haus und Garten für Papa einen hohen Stellenwert. Mit Gartenarbeit, mit der Pflege seiner Bäume, der Kaninchenzucht und der Mithilfe im kleinbäuerlichen Betrieb der Schwiegereltern war der Feierabend von Papa oftmals ausgelastet. Diesen Arbeiten und Hobbys konnte er dann nach der Pensionierung mit mehr Musse nachgehen. Auch meine Schwester und ich konnten jederzeit auf seine Unterstützung zählen, wenn es bei uns etwas zu tun gab. Keine Arbeit war ihm dann zu viel. Trotz dieser vielfältigen Beanspruchung zu Hause blieb aber bei Papa immer auch Zeit für andere Hobbys und für Geselligkeit. Jahrzehntelang leistete er für den Fussballclub wertvolle ehrenamtliche Arbeit, für die er auch zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Verdienste erwarb vor allem er im Juniorenbereich oder dann im sogenannten Wirtschaftskomitee, das viele Jahre für die Bewirtung bei Vereinsanlässen und für die Führung des Kiosks auf dem Fussballplatz zuständig war. In dieser eingeschworenen Gruppe bildeten sich Freundschaften, die ein Leben lang anhielten und Papa viele schöne, gemütliche Stunden bereiteten. In dieser Beziehung bedeutsam war auch seine Jassrunde, die während 25 Jahren Bestand hatte. Die jährlichen mehrtägigen Ausflüge mit ihren Ehepartnern waren gesellige Höhepunkte.Auch sonst schätzten Papa und Mama gemeinsame Unternehmungen, Spaziergänge, Ausflüge, Reisen oder Ferien mit befreundeten Ehepaaren, besonders viele mit Kurt und Helga. Noch im hohen Alter genoss Papa den wöchentlichen gemeinsamen Abend mit seinem Freund Kurt. Ging es zuerst noch oft «über Land», wie sie zu sagen pflegten, sass man später dann halt in Schaan in gemütlicher Runde beisammen. Auch die regelmässigen Spaziergänge mit seinem Jahrgänger Hugo, bei denen weniger die gelaufene Distanz als vielmehr das Gespräch über Gott und die Welt wichtig war, genoss Papa sehr. Leider verstarben in den letzten Jahren alle seine ihm wichtigen Wegbegleiter ausserhalb der Familie, zuletzt sein ältester Bruder Adelbert im vergangenen Herbst. Diese Verluste und das hohe Alter setzten Papa zunehmend zu. Seit Anfang dieses Jahres verliessen ihn mehr und mehr seine Kräfte und seine Lebensenergie, bis dann am frühen Morgen des 18. Oktobers sein Herz ganz zu schlagen aufgehört hat.Wir sind Papa dankbar für die gemeinsame Zeit und für all das, was er für uns getan hat. Wir sind dankbar dafür, dass Papa auf ein erfülltes Leben zurückblicken konnte – bis über sein 94. Lebensjahr hinaus bei guter Gesundheit. Das erlaubte ihm, bis einige Monate vor seinem Tod immer noch Spaziergänge zu unternehmen, kleinere Arbeiten zu verrichten und mit Interesse in den Tageszeitungen das politische Geschehen im In- und Ausland zu verfolgen. Dankbar sind wir aber auch allen, die Papa in seinem Leben ein kleines oder grösseres Stück begleitet haben.Es war für uns schön zu sehen, wie viele Nachbarn und Freunde ihn und Mama bei einem Besuch Gesellschaft leisteten oder ihnen mit tatkräftiger Unterstützung zur Seite standen, als es zuerst Mama und dann auch Papa gesundheitlich nicht mehr so gut ging. Wir denken hier an Erna und insbesondere an ihre Nachbarin Monika. Nicht zu vergessen auch unsere beiden Pflegerinnen Anna und Natascha, die Mama und Papa abwechselnd seit Beginn dieses Jahres mit viel Engagement und Einfühlungsvermögen begleiten und es ihnen ermöglichten, dass sie miteinander bis zuletzt in ihrem Haus leben konnten. Schliessen möchten wir diesen kurzen Lebensrückblick mit einem Gedicht des Theologen Dietrich Bonhoeffer, das unsere Gefühle und unsere Hoffnungen eindrücklich zum Ausdruck bringt:

Je schöner und voller die?Erinnerung,desto schwerer ist die Trennung.Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerungin eine stille Freude.

Man trägt das vergangene Schönenicht wie einen Stachel,sondern wie ein kostbares?Geschenk in sich.


Papa ruhe in Frieden!»

Auch wir entbieten den Angehörigen zum Hinschied von Karl Konrad unsere aufrichtige Anteilnahme. Möge er ruhen im ewigen Frieden.

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