Leserbrief

Epiphanie

Franz Näscher, Pfr. i. R.,Kirchagässle 14, Bendern | 5. Januar 2016

Glaube

Die Christen der ersten Jahrhunderte mussten sich wohl oder übel an Termine der heidnischen Feste halten, aber sie gaben ihnen einen christlichen Sinn. So war es mit Weihnachten und auch mit Epiphanie.
In Ägypten wurde in der Nacht vom 5. zum 6. Januar die Geburt des Sonnengottes gefeiert; am Tag schöpfte man Heil bringendes Wasser aus dem Nil. Im Osten des Römerreiches entstand ein Fest, das auf Julius Caesar zurückging, der sich beim Überschreiten des Rubikon im Jahre 49 v. Chr. als Heiland und Gott hatte grüs­sen und anbeten lassen. Epiphanie, griechisch «epiphàneia», war der Fachausdruck für das Erscheinen des römischen Herrschers und seinen Einzug in die Stadt, wie das lateinische Wort «adventus» der Fachausdruck für seine Ankunft war.
Wir Christen feiern am 6. Januar, dass der wahre Herrscher in Jesus erschienen ist. Damit wurde in der Ostkirche vermutlich schon im 2. Jahrhundert das heidnische Fest überlagert, während es im Westen erst im 4. Jahrhundert neben Weihnachten zum christlichen Fest der Erscheinung kam, nachdem Kaiser Konstantin 313 den Christen Religionsfreiheit gewährt hatte. Zum Fest gehören drei Ereignisse, die Jesus und sein Wesen offenbar machen: die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,1-12), die Taufe im Jordan mit der Stimme vom Himmel, die ihn als Sohn Gottes ausweist (Lk 3,21f), und das erste Wunderzeichen auf der Hochzeit zu Kana (Jo 2,1-11). An die zwei letzten Ereignisse wird an den beiden folgenden Sonntagen gedacht.
Epiphanie war lange Zeit ein Tauftermin; heute noch wird feierlich Wasser geweiht, «Dreikönigswasser» genannt. Der Name «Dreikönig» zeigt, wie biblische Ereignisse im Lauf der Zeit weiter ausgedeutet wurden. Im Evangelium ist weder von Königen noch von der Zahl drei die Rede, sondern von Sterndeutern aus dem Osten, die drei Gaben spenden: Gold dem König, Weihrauch für Gott und Myrrhe dem Erlöser. In der weiteren Ausdeutung erhielten die Weisen eine Hautfarbe und ein Alter: ein Brauner im besten Alter, ein junger Schwarzer und weisser Greis; so wurden sie zu Vertretern der damals bekannten Erdteile Asien, Afrika und Europa und jeden menschlichen Alters. Sie erhielten sogar Namen: Caspar, Melchior und Balthasar. Wenn Sternsinger jedoch an unsere Haustüren CMB schreiben, sind es die Anfangsbuchstaben des Segens «Christus Mansionem Benedicat» – Christus möge das Haus segnen.
Denken wir an Epiphanie daran, dass Jesus für uns alle in die Welt gekommen ist!

Franz Näscher, Pfr. i. R.,
Kirchagässle 14, Bendern

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