Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Die Katholiken, die nach einer Ehescheidung wieder heiraten, und die Kommunion, Teil 2

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 1. Juni 2017

«Amoris laetitia»

Einhellig, wie die Bischöfe in Argentinien und Malta zuvor, stimmte die deutsche Bischofskonferenz im Februar «Amoris laetitia» und somit der Kommunion der Geschiedenen, die wieder heiraten, zu. Für den Papst zählt hier der Empfang der Hostie als aufzeichnende Form, die weder Gebot noch Verbot untersteht. Das Weitere bestimmt allerdings der Sinn, den die Beichten solcher Form erschliessen. Wie diese Beichten ablaufen und was sie bewirken sollen, lässt «Amoris laetitia» die Beichtväter wissen. Mit dem Text müssen sich die Beichtväter deshalb eingehend auseinandersetzen.
Diesbezüglich zeichnet sich Malta als Paradigma aus. Malta gilt als das katholischste Land der Welt, weil 98 Prozent seines Volkes dieser Konfession angehören. Zivilrechtlich war die Ehescheidung bis Oktober 2011 verboten. Vieles hat sich jedoch mit dem neuen Papst auf diesen Inseln seit März 2013 geändert. Am 8. Januar 2017 veröffentlichten die Bischöfe Charles J. Scicluna und Mario Grech die «Richtlinien für die Anwendung des 8. Kapitels von Amoris laetitia.» Ein Exemplar desselben in der Ursprache haben alle Gläubigen erhalten. Das 8. Kapitel behandelt die Ehescheidung, die Kommunion der Wiederverheirateten und deren Gültigkeit.
Ein erlebtes Beispiel der Herausforderung, die solche Fälle für die Seelsorger bedeuten, vermittelt uns der Papst schon früh am 19. August 2013 im Interview mit Antonio Spadaro SJ: «Ich denke etwa an eine Frau, die Kinder abtreiben liess und deren Ehe scheiterte, aber später wieder heiratet, zufrieden ist, fünf Kinder hat, jene Abtreibungen zutiefst bereut und als Christin weitergehen will. Was macht der Beichtvater? Er muss Mittel und Wege suchen, barmherzig zu handeln und dieser Frau helfen. Gott steht uns bei, findet uns und lichtet uns auf, wenn uns Leidende begegnen.» So im Büchlein aus Malta, bei dem es gilt, die Geister zu unterscheiden, wie es Ignatius in den Exerzitien aufzeigt, um das Licht zu erwirken, das den Gläubigen den wahren Kern der Unauflöslichkeit der Ehe als Ideal aufhellt.
Aber nicht nur änderte der Papst das Recht bezüglich der Geschiedenen, die wieder heiraten, sondern auch gewährte er den Bischofskonferenzen die Befugnis, über das apostolische Schreiben abzustimmen. Damit könnte jeder Bischof seine Bedenken gegen «Amoris laetitia» melden, solche freimütig begründen, Einspruch erheben und eine Mehrheit von Gegenstimmen erringen. Der Konsens wurde durch Debatte erreicht.

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung