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Leserbrief

Quo vadis – Liechtensteinischer Rundfunk?

Stefan Frommelt,Gamslafina 9, Balzers | 24. Mai 2017

Das Umfrageergebnis, welches auf der Titelseite des «Liechtensteiner Vaterlandes» veröffentlicht wurde, verstört und schockiert gleichermas­sen.
Auch wenn man den 40 Prozent der 642 Befragten, was konkret nur 256 Meinungen sind, nicht eine lineare Hochrechnung auf die Gesamtbevölkerung beimessen sollte, verstört und schockiert die Aussage «Nein, ich bin für Abschalten» gleichwohl.
Ein öffentlich-rechtliches Radio ist ein Leitmedium, Radio Liechtenstein ist gemäss seinen Statuten als solches konzipiert, konnte allerdings viele Vorgaben aufgrund der unzureichenden öffentlichen Finanzierung nie befriedigend umsetzen, ist gezwungen, den ständigen Kampf gegen die Fixkosten durch das Verkaufen von Werbung zu bestreiten.
Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat eine viel grössere Bedeutung, als nur im Katastrophenfall die Bevölkerung informieren zu können. Er ist ein wesentliches, identitätsstiftendes und -pflegendes Element einer Gesellschaft. Gerade als Kleinststaat droht uns die eigene Identität ständig zu entgleiten, sie wird permanent von Fremdmeinungen überrollt. Das Bewussthalten der eigenen Wurzeln und Traditionen ist dabei genau so Teil wie die Auseinandersetzung mit aktuellen Strömungen in Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Das beinhaltet sicherlich, den einheimischen geschichtlich-politischen Zusammenhang zu heutigen politischen Entscheidungen und Ereignissen, genauso wie die innergesellschaftliche Diskussion in Tradition und Gegenwart. Oder wie sagte Thomas Morus: «Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.» Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk sollte in der Lage sein, unsere gesellschaftlichen Zusammenhänge aufzuzeigen und die spannender Art und Weise zu vermitteln.
Diese Ansicht vertreten viele Radiomacher, mit denen ich im Zuge der Kampagne «Mehr liechtensteinische Musik auf Radio L» gesprochen hatte. Ob Radio Vorarlberg in Dornbirn, Radio Television Rumantsch RTR in Chur, das deutschsprachige RAI in Bozen, der deutschsprachige belgische Rundfunk BRF in Eupen, bei allen geht es um die Wahrung der eigenen kulturellen Identität in einem Umfeld, in dem diese unterzugehen droht. Dass diese in Liechtenstein bedroht ist, zeigt sich oft im Selbstverständnis vieler Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner, wenn sie sich für weniger Gemeinschaftliches, Öffentlich-Soziales, Öffentlich-Rechtliches, Öffentlich-Staatliches stark machen, sobald es etwas kostet. Dabei wird vergessen, dass neben dem wichtigen und hohen Anteil Freiwilligenarbeit und Frondienstlichem in unserer Gesellschaft die Professionelle Arbeit für das Gemeinschaftliche an entscheidenden Stellen essenziell ist für eine selbstbewusste Gesellschaft. Diese professionelle Arbeit ist wichtig und hat ihren Wert. Das Betreiben eines hochwertigen öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist eine solche. Was ist der ORF für die Österreicher, die SRG für die Schweizer? Auch wenn diese öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Vergleich Giganten sind – ihr Auftrag ist der gleiche, denselben hat ein LRF.
Ich bitte also alle potenziellen Radioabschalter in Liechtenstein, ihre Position zu überdenken und sich für einen liechtensteinischen Rundfunk einzusetzen, der seine eigentlichen Aufgaben wahrnehmen kann.

Stefan Frommelt,
Gamslafina 9, Balzers

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