Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Linie 11 – Freitagnacht ab 22.30 Uhr in Schaan

René Steiger,Rheinau 15, Triesen | 17. Mai 2017

«Wirtschaftsflüchtlinge»

Auf dem Busplatz in Schaan versammeln sich aussergewöhnlich viele Menschen. Junge und Ältere, letztere mit weissen Tragtaschen aus welchen ein paar Rosenknospen herauslugen. Alle freuen sich am schönen Abend, steigen in den Bus ein und wollen friedlich zu ihrer Destination fahren. Dieser Friede sollte aber nur bis zur ersten Haltestelle, Zentrum, halten. Dort steigt ein junger Mann ein. Schon vor dem Einstieg lamentiert er lautstark. Das Wort «Sch..sse» haben alle im Bus mehrfach zu hören bekommen. Der Bus setzt sich in Bewegung und jetzt folgt die Präzisierung der Worte. «Hier ist alles …! Dieses Land ist …! Meine Mutter ist gut!» Wir Fahrgäste sitzen auf Nadeln. Was passiert, wenn dieser Rabauke ausrastet? Kräftig genug wäre er. Jung und Alt schauen sich gegenseitig an und wir können dieses Gehabe nicht fassen. Die Lautstärke und die Pöbeleien nehmen während der Fahrt zu. An der Haltestelle Mühleholz geht der Busfahrer nach hinten und spricht eine Verwarnung. Es tritt eine gewisse Ruhe kurzfristig ein. Der Bus fährt eine paar Meter und nun geht es erst recht los. Haltestelle Ebenholz. Der Busfahrer nimmt dem Pöbler die Bierdose ab und geht nach draus-sen. Trinken könne er jetzt hier draussen oder er werde die Dose entsorgen. «Dann wirf sie weg», kommt die arrogante Antwort. Wieder setzt sich der Bus in Bewegung und das Gepöbel geht nun auch noch in englischer Sprache weiter. Jetzt versucht ein junger Liechtensteiner Mann auf den Pöbler einzuwirken. Damit hat er sogar einen gewissen Erfolg. Danke diesem Mann und seiner Zivilcourage. Vaduz Post … weiterhin pöbelt der Andere weiter. Dann kurz vor der Haltestelle Rütti … inzwischen ist allen im Bus klar, es handelt sich hier um einen Asylbewerber … schreit dieser, ich steige nicht aus, ich fahre bis Maschlina. Der Bus hält und der Fahrer mit bestimmter Stimme «Du bist da hinten zu Hause und du steigst hier aus.» Darauf folgt Widerstand vom Pöbler. Was jetzt? Der junge Mann redet in ruhigen Worten auf den Pöbler ein und bewegt diesen sogar, ohne weitere Ausfälligkeiten auszusteigen. Danach herrscht betretenes Schweigen im Bus. Wir sehen uns gegenseitig an und in jedem Gesicht steht die Frage: Ist das nun unsere Grosszügigkeit mit welcher wir solche Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen? Mit was für einem Recht sind die überhaupt hier? Hat nicht gerade in der letzten Woche ein Herr Lendi von der Flüchtlingshilfe weitere Schlafplätze gefordert? Für solches Gesindel? Wäre es hier nicht angebracht: «Back to Sender?» Dieser Pöbler kann ja freiwillig gehen und heim zu seiner Mutter. Zeugen für diesen Vorfall gibt es genügend. Der Gelenkbus war recht voll. Bei der Haltestelle Triesen Post steige ich vorne beim Fahrer aus. Auf meine Worte, «Ihr seid’s auf diesen Nachtkursen auch nicht zu beneiden», meint der Fahrer: «Ich kenne diesen Fall!»

René Steiger,
Rheinau 15, Triesen

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung