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Leserbrief

Bonmots aus meiner Wanderung durch die Alpen

Reto Walter Brunhart, 2, ul. Vegova, 1000 Ljubljana (Slowenien) | 16. Mai 2017

Mehr als nur Finanzplatz

Vom 1. bis 30. April bin ich alleine zu Fuss von Ljubljana (Slowenien) bis nach Balzers gelaufen, was einer 700-Kilometer-Wanderung entspricht. Anfänglich war mir unklar, ob mein Körper diese Weitwanderung in meinem Alter mitmacht, aber, o Wunder, ich hatte keinerlei Probleme zu beklagen.
Vielmehr lernte ich eine wundervolle Alpenwelt kennen, die an Gottes Schöpfung gemahnt, ich sah wundervolle Bilder, höchst beeindruckende Szenerien von Bergen, ich fand all meine Wege und traf viele Menschen, die mir überall herzlich begegneten.
In der Stadt Kranj in Slowenien habe ich mit einer Hotelbesitzerin über ihre verstorbene Tante, der ehemaligen Post-Wirtin Angela Wachter aus Schaan, diskutiert. Angela stammte aus Slowenien und hat in Liechtenstein einen bleibenden Namen als arbeitsame und bescheidene Frau und ich anerkenne sie als Schaaner Persönlichkeit von Rang. Ich habe sie persönlich gekannt, und sie jeweils bei beruflichen Vorsprachen zu jeder Zeit bei der Arbeit angetroffen. Angela war die Ersatzmutter der vielen jugoslawischen Arbeiter in Liechtenstein und bewirtete auch viele Schaaner Alteingesessene. Am gleichen Abend in Kranj besuchte ich einen bosnischen Grill. Der Kellner fragte mich, woher ich komme – Liechtenstein. Er sei auch dort gewesen, und ich fragte ihn, ob er Angela kenne. Daraufhin klärte sich sein Gesicht auf, er lächelte mich an: Ja, ja, bei Angela. An einem anderen Platz, im Dorf Grins nahe der Stadt Landeck, traf ich auf eine ältere Frau mit ihrem 12-jährigen Enkel, beide die Frühlingssonne auf dem Hof ihres Hauses geniessend. Wir kamen ins Gespräch und sie fragte mich, wohin ich gehe. Ich sagte, nach Liechtenstein. Darauf erzählte sie mir, dass das Dorf Grins mit Liechtenstein in besonderer Weise verbunden sei. In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1945 sei das ganze Dorf Grins bis auf die Grundmauern abgebrannt. Nur kurz darauf, in den Tagen des Chaos und der Trauer, sei Fürstin Gina von Liechtenstein gekommen und habe angeboten, Kinder mit nach Liechtenstein zu nehmen, bis das Dorf wieder auf dem Wege des Aufbaues sei. Kurzum, viele Grinser Kinder hätten einige Zeit in Liechtenstein verbracht. Dieses sei in Grins unvergessen und Dank an das Fürstenhaus und Liechtenstein sei immer noch zu hören. Auch ich habe I.D. Fürstin Gina persönlich gekannt, die als Landesmutter Liechtensteins in ihrem Handeln stets ihre noble Gesinnung zeigte.
Diese beiden Geschichten, die mit Liechtenstein zu tun haben, möchte ich mit diesem Brief den Leserinnen und Lesern bekannt geben. Beide Geschichten sind schöne Geschichten, und ich war’s zufrieden, aus eben jenem kleinen Land zu stammen und dorthin zu gehen, wo all das gehörte Schöne vorgekommen war.

Reto Walter Brunhart, 2, ul. Vegova, 1000 Ljubljana (Slowenien)

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