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Leserbrief

Was beim Loblied auf Rheinaufweitungen nicht gesagt wurde

Othmar Züger,Aeulegraben 32, Triesen | 25. April 2017

Rheinaufweitungen

In einem Leserbrief der Freien Liste von letzter Woche wird in höchsten Tönen von Rheinaufweitungen geschwärmt, in einer 300 m breiten Aufweitung oberhalb der Eschner Au sollen «märchenhafte Landschaften» mit «lauschigen Plätzen» entstehen, bei denen man im Rhein soll «baden» können, weiter soll die Aufweitung verbesserte Hochwassersicherheit leisten, und alles sei ohne Landverlust möglich. Dieser Hochgesang kann nicht unwidersprochen bleiben.
Auch wenn angeblich kein Kulturland geopfert würde, müssten wohl beträchtliche Flächen an noch übrig gebliebenen, natürlichen Auen- wäldern einer solchen Rheinaufweitung weichen. An ihrer Stelle erhofft man sich einen kargen Wildwuchs von Büschen und kleinen Bäumen, die im Laufe der Zeit auf Kiesbänken im Rheinlauf entstehen könnten. Ob es zu «lauschigen Plätzen» für Erholungssuchende kommen wird, oder die Aufweitung nachträglich als geschütztes «Naturrefugium» erklärt würde, sei zumindest angemerkt. In welcher Jahreszeit sich wohl «Badende» im Rhein tummeln würden? Jedenfalls wird das Rheinwasser auch in der Aufweitung selbst im Hochsommer wie heute wesentlich zu kalt zum Baden bleiben. Die Hochwassersicherheit des Rheins würde absehbar in keiner Weise erhöht, gehören doch die bestehenden Rheindämme in diesem Flussabschnitt zu den Besterhaltenen entlang der ganzen Landesgrenze. Genau diese müssten der Aufweitung weichen. Selbst ein Extrem-Hochwasser wird in einer breiten Aufweitung kaum über die Dämme treten, sondern an den schmalsten Stellen, wo flussabwärts der Rhein wieder im heutigen Rheinbett fliessen muss. Es kann bei Extrem-Hochwasser nicht völlig ausgeschlossen werden, dass sich grosse Mengen an Schwemmholz im Baumbewuchs solcher Aufweitungen stauen könnte. Bei plötzlichem Aufbrechen diese Mengen könnten flussabwärts die Rheindämme und Hindernisse wie Brücken höchsten Belastungen ausgesetzt sein. Flussbauer verneinen zwar solche Gefahren, mit seltenen Extrem-Hochwasser des Rheins fehlen aber wohl auch ihnen gesicherte Erfahrungen.
Die Sanierung der Rheindämme sollte in Anbetracht des ermittelten Risikos mit einem 300-Jahr-Extrem-Hochwasser zügig angegangen werden, aber ohne «Experimente» mit Rheinaufweitungen, die nur die Kosten massiv in die Höhe treiben werden, ohne erkennbaren Nutzen zur Hochwassersicherheit. Die herbeigeredeten Vorteile solcher Aufweitungen «vertrüben» sich bei genauerem Hinsehen schnell, wie das Rheinwasser bei Hochwasser.

Othmar Züger,
Aeulegraben 32, Triesen

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