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Leserbrief

Sehr geehrter Regierungsrat Pedrazzini,

Vorstand desFrauennetzes Liechtenstein | 25. April 2017

Familie und Beruf

mit Interesse hat das Frauennetz Liechtenstein in der «Volksblatt»-Ausgabe vom 20. April Ihre Ankündigung gelesen, dass Sie spürbare Fortschritte im Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf erzielen wollen.
Sie erwähnten dabei zwei konkrete Vorschläge: Die Umgestaltung der Blockzeiten in Kindergärten und Schulen sowie die Verwendung von überschüssigen FAK-Geldern zur Erhöhung des Kindergeldes. Während die Anpassung der Blockzeiten auch in unseren Augen der erste und wichtigste Schritt zur Verbesserung einer Vereinbarkeit mit einer Erwerbstätigkeit darstellt, sehen wir beim zweiten Vorschlag noch Verbesserungspotenzial. Eine im Giesskannenprinzip vorgenommene Aufstockung des Kindergelds, das ja faktisch einer «Herdprämie» gleichkommt, erhöht die Wahlfreiheit per se nicht. Sie kennen sicher die Erfahrungen, die im benachbarten Ausland mit dieser Massnahme gemacht wurden und werden.
Deutlich nachhaltiger, wenn auch mit mehr Aufwand verbunden, sind Lösungen wie Versicherungen/Absicherungen fürs Alter für nicht oder nur in kleinem Mass erwerbstätige Elternteile und/oder gestaffelte Kindergeldmodelle. Damit eine echte Wahlfreiheit entsteht, ist es ausserdem unabdingbar, dass der Elternurlaub bezahlt ist, sodass ihn sich nicht nur gut Verdienende leisten können. Während und nach der Elternzeit sollte zudem ein angepasster Kündigungsschutz unbedingt mitberücksichtigt werden. Wir hoffen daher, dass sich die von Ihnen eingesetzte Arbeitsgruppe auch über diese Vorschläge Gedanken macht. Wäre eine Erhöhung des Kindergeldes wirklich die einzige als sinnvoll erachtete Lösung, hätte ohnehin keine eigene Arbeitsgruppe gegründet werden müssen.
Das Vereinbarkeitsthema ist wahrlich vielschichtig: Es ist auch keine reine Frauensache, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Thema und betrifft beide Elternteile – also Väter und Mütter. In Zukunft müssen somit Lösungen auch für Väter, die ihren Teil an der Familienarbeit leisten wollen und sollen, gesucht und gefunden werden.
Wie Sie im Interview in Bezug auf die Formulierung Familie und/oder als Beruf – richtigerweise – betonten, ist die Sprache ein wichtiges und gewichtiges Instrument. Dies war auch in der Diskussion um die Abstimmungsvorlage im Jahr 2016 zu spüren. In diesem Sinne würden wir uns wünschen, wenn Sie als für die Chancengleichheit verantwortlicher Gesellschaftsminister in Zukunft nicht nur die Prämienzahler, sondern alle Prämienzahlenden ansprechen würden.

Vorstand des
Frauennetzes Liechtenstein

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