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Leserbrief

Die Predigt

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 13. April 2017

Nachlese

Oft hört man die Frage: «Wie sollen sich Nonnen und Priester verhalten, um sich dem päpstlichen Ideal anzunähern?» Freilich kann und will der Papst selbst nicht als Leitbild gelten. Ebenso wenig dienen Vorfahren, die er verehrt, wie Ignatius Loyola und Pedro Arrupe, als mögliche Modelle dazu, weil Extremsituationen der Weltgeschichte ihr Dasein prägten. Hingegen fordert eine trügerische Alltäglichkeit hierzulande die katholische Priesterschaft heraus. Es geht allen Menschen vermeintlich so gut, dass, wenn sich jemand über gewisse Dinge beschwert, er damit die Utopie verletzt und deshalb existenzvernichtend bestraft wird. Ein Omertà-Phänomen!
Solches offenbart die Predigt des Generalvikars, Dr. Markus Walser, vom 31. März an den Landtag. Die Predigt zerschlägt die Utopie: «Als Seelsorger hören wir von den Gläubigen manches, was sie sich aus Rücksicht auf die eigene Arbeitsstelle oder das eigene Geschäft in der Öffentlichkeit in unseren kleinräumigen Verhältnissen nicht zu sagen trauen.» So entsteht ein Modell für das Verhalten von Nonnen und Priesters: Wenn sie predigen oder sich einfach mit den Gläubigen unterhalten, müssen sie stets dafür sorgen, dass die Wahrheit sich selbst aufzeigt und die Utopie vertreibt. Dazu hilft nicht nur das Evangelium, sondern auch die Verfassung Liechtensteins, wie Dr. M. Walser hervorhebt.
Der Kardinal Jorge Bergoglio SJ sagte in der dreiminütigen Konklaveansprache an die Kardinäle vor der Papstwahl: «Die Priester müssen Parrhesie in allen Predigten beipflichten und freimütig reden.» So handelte er, schon Papst, im November 2014, als er in Strassburg das EU-Parlament fragte: «Ist Europa wirklich eine ausgezehrte Grossmutter?» Abschliessend prangerte der Papst die Europäische Union als «Irrweg der Geschichte» an. Sorgen macht sich der Papst stets dann, wenn die Predigten Untaten beschönigen und Verbrechen verschweigen. Deshalb wiederholte er in seiner Rede an die Kurie den 22. Dezember 2014, was er unmittelbar nach der Wahl gesagt hatte: «Der Karneval ist vorbei!»

Die Predigt des Generalvikars, Dr. Markus Walser, vom 31. März erfüllt mustergültig und hervorragend alle Erwartungen des Papstes bezüglich einer Predigt. Ihr Widerhall bestätigt dies. Das Original direkt und eine spanische Übersetzung über den Jesuitengeneral, Arturo Sosa Abascal SJ, haben bereits den Papst erreicht. Sofia in Tokio und Georgetown in Washington, beide Universitäten der Gesellschaft Jesu, haben auch schon die Predigt erhalten, wie ich soeben erfahre.

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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