Leserbrief

«Es geht uns gut» – Geht es uns gut?

Alexandra Marion Schädler,Gewerbeweg 3, Vaduz | 7. April 2017

Armut in Liechtenstein

Meines Wissens kommen Pfarrer mit Menschen aller Altersstufen und unterschiedlicher sozialer Herkunft zusammen. Sie sind Seelsorger, unterstützen und fördern die Mitglieder ihrer jeweiligen Gemeinde in ihren Begabungen und versuchen, gemeinsam mit ihnen eine lebendige Gemeinschaft aufzubauen. Pfarrer werden in unserer modernen Gesellschaft längst nicht nur mehr als Seelsorger in Anspruch genommen, sondern dienen auch als Krisenmanager oder gar Sozialarbeiter. So nehmen gerade sie direkt am Leben der Gläubigen teil und erfahren daher viel Freud und Leid. Sie müssen gut hinsehen, hinhören, hervorspüren und brauchen daher eine gute Wahrnehmungsfähigkeit. Ihnen gebührt Dank und keine Kritik, wenn sie den Brückenschlag mit Beispielen der politischen Arbeit der vergangenen Jahre finden und uns Gläubige mit kritische Worten ermahnen, wieder vermehrt Frömmigkeit zu leben.
Genrealvikar Dr. Markus Walser erwähnte in seiner Predigt beim «Heilig-Geist-Amt» zur Landtagseröffnung u. a. «Als Seelsorger hören wir von den Gläubigen manches, was sie sich aus Rücksicht auf die eigene Arbeitsstelle oder das eigene Geschäft in der Öffentlichkeit in unseren kleinräumigen Verhältnissen nicht zu sagen trauen.»
Ich frage mich, geht es uns wirklich gut? Wenn wir Menschen im Land haben, welche Angst haben, sich in der Öffentlichkeit zu äussern? Weiter gibt er zu bedenken, dass es auch Armut hierzulande gibt. Jene, die knapp über dem Existenzminimum leben, sind die Hauptbetroffenen der in den vergangenen Jahren erfolgten Umverteilung durch Steuersenkungen und Gebührenerhöhungen. Denn für sie fallen höhere Gebühren viel mehr ins Gewicht als für die finanziell Bessergestellten.
Es sind mahnende Worte an den neuen Landtag und an die Regierung. Denn gemäss Rechenschaftsbericht 2015 haben 587 Haushalte finanzielle Hilfe in Form der wirtschaftlichen Sozialhilfe erhalten. In 133 dieser Haushalte lebten insgesamt 223 Kinder und Jugendliche. Von den 587 Haushalten haben 377 bereits im Vorjahr wirtschaftliche Hilfe bezogen, neu dazugekommen sind also 210. Die Zahl steigt.
Artikel 24 unserer Verfassung sagt: Der Staat sorgt im Wege zu erlassender Gesetze für eine gerechte Besteuerung unter Freilassung eines Existenzminimums und mit stärkerer Heranziehung höherer Vermögen oder Einkommen. Die finanzielle Lage des Staates ist nach Tunlichkeit zu heben und es ist besonders auf die Erschliessung neuer Einnahmequellen zur Bestreitung der öffentlichen Bedürfnisse Bedacht zu nehmen.
Dann geht es uns gut!

Alexandra Marion Schädler,
Gewerbeweg 3, Vaduz

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