Leserbrief

Sind die Landwirte schuld?

Meta Gstöhl,Rofenbergstrasse 36, Eschen | 6. April 2017

Abgelehntes LFV-Zentrum

Den Eschner Landwirten die Schuld an der Ablehnung des Projekts des Liechtensteinischen Fussballverbandes (LFV) in die Schuhe schieben zu wollen, greift zu kurz (siehe «Vaterland» vom 29. März). Sicher ist es so, dass die Landwirte keine Befürworter des Projekts waren, weil für die Erstellung des Trainingszentrums insgesamt 44 000 m2 von Bauern bewirtschaftetes Kulturland für immer verloren gewesen wären. Den insgesamt sieben aktiven Bauern in Eschen, von denen nicht einmal alle an der Bürgergenossenschaftsversammlung anwesend waren, die Schuld für die Ablehnung des Projekts geben zu wollen, ist jedoch schlichtweg falsch.
An der Bürgergenossenschaftsversammlung vom Montag haben so viele Mitglieder teilgenommen wie noch nie. Und dies, obwohl am selben Abend noch die Parteitage von FBP und VU stattfanden. Auffällig viele der teilnehmenden Personen sind zuvor überhaupt noch nie an einer Bürgergenossenschaftsversammlung gesehen worden. Dass das Projekt trotz der vielen anwesenden «Tschütteler» abgelehnt wurde, hängt somit vielmehr damit zusammen, dass das Projekt auch bei den vielen übrigen Genossenschaftern auf Skepsis und Ablehnung gestossen ist, auch wenn der Eschner Gemeinderat und der Vorstand der Bürgergenossenschaft das Projekt einstimmig befürworteten. Betreffend das knappe Abstimmungsresultat ist ferner zu berücksichtigen, dass die Gemeinde Eschen an der Abstimmung über 10 Prozent der Stimmrechte verfügt hat, also insgesamt 20 Stimmen, und diese zugunsten des Projekts eingesetzt hat. Trotzdem hat es nicht gereicht.
Argumente, die an der Versammlung gegen das Projekt geäussert wurden, reichten von einer Bevorzugung des LFV gegenüber «Gewerberln» in puncto Bauvorschriften, Parkplatzbewirtschaftung und Baurechtszinsen bis zu zusätzlichem Verkehrsaufkommen, keine Steuer-Mehreinnahmen für die Gemeinde und dem Umstand, dass im Land bereits ausreichend viele Fussballplätze vorhanden sind. Für den LFV war wichtig, dass er sich bei Vorhandensein eines eigenen Trainingsgeländes sich mit den Vereinen betreffend Benutzung der Trainingsplätze nicht mehr koordinieren müsste. Letzterer Grund ist für mich allerdings eine Bestätigung dafür, dass die Zahl der im Land vorhandenen Fussballplätze grundsätzlich ausreichend ist und es sich beim Wunsch des LFV nach einem eigenen Trainingsgelände um ein reines Luxus- und Prestigeprojekt handelt. Die erhofften Millionenbeiträge von FIFA und UEFA ermöglichen dies.

Meta Gstöhl,
Rofenbergstrasse 36, Eschen

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