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Leserbrief

«Unangenehme Wahrheiten?»

Dr. med. Rainer Wolfinger,im Fetzer 39, Schaan | 5. April 2017

LLS-Geburtenstation

Der Kommentar von Doris Quaderer im gestrigen «Volksblatt» kann in Bezug auf die Schliessung der Geburtenabteilung im Landesspital nicht unwidersprochen bleiben.
Über viele Jahre leisteten wir drei Gynäkologen (Dres. Alice Bürzle, Dietmar Flatz und meine Person), die Anästhesisten und Kinderärzte 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr Bereitschaftsdienst, waren lückenlos erreichbar und verpflichtet, bei Bedarf innerhalb von zehn Minuten im Spital zu sein. Nicht das stets als Argument vorgeschobene «Zürcher Modell» zur Qualitätssicherung war der Grund für die Schliessung, auch nicht der «Schutz der Kinder» – eigentlich eine ungeheuerliche Aussage ohne nachweisbare Vorkommnisse.
Schon Jahre zuvor wiesen wir in einem Brief den Stiftungsrat darauf hin, dass das Operationspersonal Dienst im Hause machen müsste, um die geforderte Einhaltung von längstens 30 Minuten vom Entscheid bis Durchführung eines operativen Eingriffes gewährleisten zu können.
Nur durch grossen Einsatz und eine entsprechende Dienstplanung seitens der Hebammen und des OP-Personals konnte dieses Ziel dennoch erreicht werden.
Nach unserem frühzeitig angekündigtem Rückzug hätte es drei Optionen für einen Weiterbetrieb der Geburtenabteilung gegeben. Allerdings konnten über Monate keine Ärzte gefunden werden, welche bereit waren, unsere Arbeit weiterzuführen. Alternative Möglichkeiten wären die Festanstellung von Ärzten am Spital (mindestens 5,7 Vollzeitstellen für Dienst rund um die Uhr) oder eine Kooperation mit dem Zentrumsspital gewesen. Wie auch immer, «Dienst im Haus» für das OP-Personal hätte in allen Fällen eine massive personelle und finanzielle Aufstockung verlangt.
Die unangenehme Wahrheit ist, dass letztendlich finanzielle Gründe zur Schliessung der Geburtenabteilung führten. Bei der relativ kleinen Zahl von zuletzt rund 200 Geburten im Jahr kann eine Geburtenabteilung nicht gewinnbringend betrieben werden. Geburten in Liechtenstein wären immer noch möglich, aber es fehlte der politische Wille – und das liebe Geld.

Dr. med. Rainer Wolfinger,
im Fetzer 39, Schaan

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