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Leserbrief

Persönliche Abrechnungen

William Gerner,Quellenstrasse 8, Eschen | 1. April 2017

Abgelehntes LFV-Zentrum

Am Montag haben die anwesenden Bürgergenossenschäftler in Eschen ein Technikzentrum für den Fussballverband und auch andere Sportarten abgelehnt. Der Entscheid ist nach heutigem Recht demokratisch zustande gekommen und ist daher zu akzeptieren. Es bleiben aber viele Fragen zurück. Es lag ein gutes Projekt vor und es hätte der Bürgergenossenschaft jährlich 50 000 bis 70 000 Franken eingebracht. Am meisten hätten die Jugendlichen und deren Eltern aus Eschen und Nendeln profitiert. Das finanzielle Angebot war sehr gut. Der Vergleich mit Profitunternehmen ist völlig daneben. Die Fläche ist für Sport reserviert. Da kann man davon ausgehen, dass kaum wieder einmal so ein Angebot kommt. Die Bürgergenossenschaft kann solche Einnahmequellen locker ablehnen, weil sie für das sehr grosse jährliche Defizit nicht geradestehen muss. Da beginnt das grosse Problem, denn das Defizit zahlt die politische Gemeinde mit Geld von allen Steuerzahlern. Schon länger macht sich in Eschen deswegen Unmut breit. Da hilft auch das Argument nicht, dass der Wald und das Riet für alle Schutz- und Erholungsraum ist. Die politische Gemeinde wird sich bei der nächsten Budgeterstellung ihre Gedanken machen müssen, sonst muss sie mit einem Referendum rechnen. Wenn es um Steuergelder geht, müssten auch alle mitentscheiden können. Nur wenn die Einnahmenseite auch in der Bürgergemeinde verbessert wird, können wir in den nächsten Jahren mit dem gleichen Steuersatz wie die meisten anderen Gemeinden rechnen. Ich hoffe, dass der letzte Montag wenigstens zu einer Grundsatzdiskussion über die Bürgergemeinde führt. Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Lösungen, entweder übernimmt die Bürgergenossenschaft einen viel grösseren Teil des Defizits oder sie muss aufgelöst werden. Die Geldbeschaffung und die Geldeintreibung wird dann eine grössere Bedeutung erhalten. Die Zeit der tiefen Pachtzinse ist dann wohl vorbei. Der jetzige Zustand ist weder demokratisch noch gerecht. Grundsätzlich war das Ergebnis am Montag nicht überraschend. In den letzten 30 Jahren wurden in Eschen fast alle interessanten Projekte abgelehnt oder es haben sich Gruppen gebildet um diese zu verhindern. Es gäbe eine lange Liste, was alles in andere Gemeinden abgewandert ist. Gamprin zeigt, wie man es auch machen kann. Gerne gibt man die Schuld der Politik. Tatsache ist aber eine andere. Neinsagen scheint eher eine Mentalitätsfrage zu sein. Ich denke da immer wieder an die Angelegenheit mit der Landesbank zurück. Das jetzt abgelehnte Projekt ist für Eschen nicht existenziell, aber es hätte national und sogar international viel Imagegewinn für Eschen gebracht. Mich beschäftigt aber mehr, dass bei Sachgeschäften in Eschen kaum über Vor- und Nachteile diskutiert werden kann. Für die Bauern, die geschlossen aufmarschiert sind, habe ich noch ein gewisses Verständnis, dass sie Angst um «ihren» Boden haben. Ich vermute zwar, dass sie diesmal ein Eigentor erzielt haben. Dass aber Sachgeschäfte vor allem für persönliche Abrechnungen benützt werden, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Die kommende Generation wird darunter zu leiden haben.

William Gerner,
Quellenstrasse 8, Eschen

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