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Leserbrief

Vieles kann verbessert werden

Helen Marxer,Floraweg 19 Vaduz | 25. März 2017

Es ist den Befürworterinnen und Befürwortern von Quoten völlig klar, dass sie mit Quoten noch keine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf erreichen, aber deshalb gegen Quoten zu sein, scheint wahrscheinlich nicht nur mir unsinnig. Es können nicht alle Anliegen zuerst durchgesetzt werden, bevor die Forderung nach Quoten gestellt werden darf. Auch wenn der Ruf nach einer besseren Vereinbarkeit richtig und berechtigt ist, darf er nicht eingesetzt werden, um jegliche Diskussion über Quoten zu verunmöglichen. Quoten tragen direkt dazu bei, Chancengleichheit für Frauen herzustellen. Sie sind eine Massnahme, um kompetenten Frauen die Chance zu geben, sich in Politik und in der Wirtschaft einzusetzen.
Er ist geradezu wünschenswert, dass bei der Quotendiskussion auf die Bereiche hingewiesen wird, in denen für Frauen, aber auch für Familien und Väter noch vieles im Argen liegt: Lohnungleichheit bei gleicher Tätigkeit, eine generell schlechtere Bezahlung in den sogenannten Frauenberufen, eine schlechtere finanzielle Absicherung der Frauen wegen niedriger AHV und zu geringer, oft sogar fehlender Rente im Alter, überholte Rollenbilder fern der Realität, fehlender Elternurlaub, zu wenig bezahlbare Kitas, zu wenig Schulen mit Tagesstrukturen, zu wenig Teilzeitarbeitsangebote für Frauen und Männer, zu wenig familienfreundliche Betriebe mit flexiblen Arbeitszeiten.
Da Haus- und Familienarbeit nicht bezahlt ist, muss sie zumindest rentenrelevant versichert werden, egal welcher Elternteil sie leistet. Aus­serdem muss eine bessere Verteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit erfolgen. Ein Arbeitstag von acht oder mehr Stunden ist mit einem Familienleben schwer vereinbar, genauso wenig wie ein Ferienanspruch von vier Wochen. Wenn Schulkinder zwölf Wochen Ferien haben, kann das nicht aufgehen. Wie soll bei fehlendem Elternurlaub für Väter die Familienarbeit aufgeteilt werden? Etwas, was sich übrigens immer mehr Väter durchaus wünschen.
Gerade eine Quote könnte dazu beitragen, bei diesen Themen Fortschritte zu erreichen. Diejenigen, die eine Geschlechterquote ablehnen, könnten ihre Energie dafür aufwenden, sich für die obenstehenden Vorschläge und Massnahmen einzusetzen, damit die tatsächliche Gleichberechtigung für Frauen und Männer Wirklichkeit wird.

Helen Marxer,
Floraweg 19 Vaduz

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