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Leserbrief

Schutzbauten und Biber – Oder die Quadratur des Kreises!

Regierungsrätin Marlies Amann-Marxer | 24. März 2017

Als sechstkleinster Staat der Erde verfügt Liechtenstein, mit seinen circa 37 000 Einwohnerinnen und Einwohner, über einen flächenmäs­sig deutlich beschränkten Lebensraum. Diesen teilen wir uns mit den hier heimischen wildlebenden Tieren, wobei der von Menschen besiedelte Raum sich auf das Rheintal, zwei Berggemeinden und die Alpenweiler Malbun und Steg beschränkt. Dieser Siedlungsraum und damit die Bevölkerung Liechtensteins ist diversen Naturgefahren ausgesetzt.
Die Regierung ist gemäss Gesetz und Verfassung dazu verpflichtet, die Bevölkerung zu schützen, auch vor Naturgefahren. Während der Bevölkerungsschutz in die Zuständigkeit des Ministeriums für Inneres fällt, gehört der Naturschutz in die Zuständigkeit des Ministeriums für Infrastruktur und Umwelt.
Das Amt für Bevölkerungsschutz wendet jährlich hohe Summen für Verbauungen aller Art auf, die uns vor Naturgefahren wie Wasser, Rüfen oder Lawinen schützen sollen.
Durch die Zuwanderung der Biber sind heute diverse Schutzverbauungen gefährdet. Europäische Biber werden bis zu einem Meter gross und bis zu 30 Kilogramm schwer. Durch seine aktive Lebensraumgestaltung kann es zu Schäden an Schutzbauten kommen, die Sanierungen in Millionenhöhe notwendig machen. Grössere Schäden mussten bereits saniert werden. Seit 2015 entstanden in diesem Zusammenhang Kosten in Höhe von 900 000 Franken. Da sich die Biberpopulation über die ganze Landesfläche verteilt, müssen zusätzlich flächendeckend bauliche Massnahmen getätigt werden, um die Schutzbauten – die uns Menschen bei Naturgefahren schützen sollen – vor Schädigungen durch Biber zu schützen.
Was hier beinahe schildbürgerhaft anmutet, ist in unserem Land Realität. Die Situation fordert uns heraus, sowohl dem Bevölkerungsschutz als auch dem Schutz von Tieren, Pflanzen und Natur Rechnung zu tragen.
Aufgabe der Regierung ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den beiden Zielsetzungen herzustellen und dabei die Anliegen beider Ministerien zu berücksichtigen. Unterschiedliche Interessen der involvierten Gemeinden, Schadenspotentiale und eventuelle Haftungsansprüche von privater Seite sind dabei sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Wie das konkret zu handhaben ist, ist in einem Biberkonzept festzulegen. Die Vorschläge hierzu werden in Kürze der Regierung vorgelegt.
Zu glauben, dass damit alle Probleme gelöst sind, wäre jedoch illusorisch. Auch in Zukunft kann die Entnahme von Bibern erforderlich sein, genauso wie weitere bauliche Massnahmen zum Erhalt der Schutzbauten notwendig werden können.

Regierungsrätin Marlies Amann-Marxer

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