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Leserbrief

Sehr geehrter Herr Dr. Reinhard Pitschmann

Dr. med. Marco Ospelt,Dröschistrasse 9, Triesen | 2. März 2017

WZW-Verfahren

Ihr Leserbrief, veröffentlicht im «Volksblatt» vom 28. Februar, veranlasst mich zu einer Feststellung und zu drei Fragen:
Die Feststellung: Von «Überarztung» spricht man nicht, wenn bei einer Ärztin die «durchschnittlichen Kosten pro Patient überdurchschnittlich höher sind als bei vergleichbar anderen Ärzten». Diese höheren Durchschnittskosten könnten schliesslich auch bedingt sein durch die besondere Situation, zum Beispiel die besonders schwerwiegenden Erkrankungen der betroffenen Patienten. Sondern man spricht von «Überarztung», wenn sich die Ärztin bei der Krankenbehandlung nicht auf das durch das Interesse der Versicherten und den Behandlungszweck erforderliche Mass beschränkt. (Art. 19, Abs. 1 KVG.) Dass die abgerechneten Leistungen der betreffenden Ärztin über dieses Mass hinausgehen, muss der Krankenkassenverband beweisen.
Die Fragen: Was ist gemeint, wenn ein Verfahren vor Gericht aus «formellen Gründen» verloren geht oder gewonnen wird? Ich bin nicht Jurist, aber für mich sind formelle Gründe zum Beispiel das Verpassen von Fristen oder wenn der Kläger zur Klage nicht berechtigt oder das Gericht für das beklagte Vergehen nicht zuständig ist. Wenn aber der Beweis nicht gelingt, dass ein Fehlverhalten vorliegt, dann geht das Verfahren aus guten juristischen (und nicht aus «formellen») Gründen verloren! Und glauben Sie wirklich, dass ein Vergehen, begangen in den Jahren 2010 und 2011, nicht nach dem damals gültigen Gesetz (das angeblich noch das «statistische Verfahren» vorsah) durch das Gericht beurteilt worden sein soll, sondern nach einem Gesetz, das erst im Jahr 2012 in Kraft getreten ist (und angeblich das «analytische Verfahren» vorschrieb)? Übernehmen Sie da vielleicht zu unbesehen die Interpretation des Krankenkassenverbandes, der damit das Fehlen von Beweisen für seine Anschuldigungen kaschieren will?
Und dann frage ich mich noch, welche Freude Sie wohl daran hätten, wenn Ihre Honorarnoten der letzten fünf Jahre gerichtlich daraufhin überprüft würden, ob Sie sich auf das durch das Interesse der Klienten und den Verfahrenszweck erforderliche Mass beschränkt haben?

Dr. med. Marco Ospelt,
Dröschistrasse 9, Triesen

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