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Leserbrief

Liebe Traditionalisten ...

Amon Marxer, Murasträssle 4, Balzers | 16. Februar 2017

Kita und Co.

... oder die, die sich dafür halten. Das, was ihr als das «traditionelle Familienmodell» bezeichnet, ist m. W. eine kulturgeschichtlich sehr junge Wohlstandserscheinung – von Tradition kann man da nicht ernsthaft sprechen. Vielleicht schaut ihr euch bei Gelegenheit eine Dokumentation zu heutigen Agrargesellschaften an oder ihr nehmt ein Geschichtsbuch zur Hand. Jedenfalls geht es beim Thema ausserhäusliche Kinderbetreuung nicht darum, Kinder am Montag bei der Kita abzugeben und sie am Freitag wieder dort abzuholen. Das lässt sich ganz einfach dadurch verhindern, dass nicht jeder Tag in der Kita gleich viel kostet – der erste Tag könnte fast gratis sein, der zweite etwas kosten, der dritte teuer und der vierte fast unbezahlbar sein. Es geht um eine Flexibilisierung beziehungsweise um Wahlfreiheit. Männer in meinem Alter und jünger würden ihre Kinder vielleicht gerne kennenlernen, bevor wir in Pension gehen, und ein Teil der heute gut ausgebildeten jungen Frauen – eure Töchter – wollen weiterhin ihren Beruf ausüben. Wenn sich Eltern die Erziehungs- und Erwerbstätigkeit teilen wollen und beide deshalb 80 oder 60 Prozent arbeiten, so muss an einem oder zwei Tagen pro Woche die Möglichkeit einer bezahlbaren ausserhäuslichen Betreuung bestehen. Ein oder zwei Tage in der Kita oder bei einer Tagesmutter, bei der das Kind den Umgang mit anderen Kindern lernt und sich ab und zu einen Virus einfängt, der das Immunsystem trainiert, kann nur gut sein. Darüber hinaus werden Arbeitsplätze geschaffen, die wiederum durch Beiträge unsere Sozialkassen füllen. Fremdbetreuung gab es schon immer. Nur hat heute nicht mehr jeder Grosseltern, die in derselben Region leben wie man selbst. Auch ich habe gegen die Initiative «Familie und Beruf» gestimmt, ganz einfach, weil sie nicht durchdacht war. Trotzdem halte ich die Bereitstellung bezahlbarer ausserhäuslicher Betreuungsmöglichkeiten für essenziell und die Herdprämie für Unsinn.

Amon Marxer, Murasträssle 4, Balzers

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