Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Plumpismus

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 14. Februar 2017

Mit der Anzahl Damen, welche jetzt dann im Landtag vertreten sind, rutschen wir im Ländervergleich auf das hintere Drittel, oder gar noch weiter. Noch weiter deswegen, weil wir doch ein westlich moderner Staat sind und in den hinteren Rängen, dort wo man dem Weib absolut keine Rechte zugesteht, eigentlich nur Bambus und Lehmhüttenstaaten zu finden sind. Und wir jetzt mittendrin. Na, servus Liechtenstein, und wo bleiben die Magenkrämpfe, und wer hat sich freiwillig und selbstlos übergeben beim Bekanntwerden von so wenigen Frauen im Ziegelgehäuf?
Die Wahl war absolut demokratisch und weit und breit kein Wahlbetrug. Doch bei Bekanntwerden der Ergebnisse, ein lähmender Schock und wie eine Schreiberin meinte, das totale Desaster. Hier hat die viel gerühmte und gelobte Demokratie vollständig versagt und ihre Schwächen und Fehler sind brutal zutage getreten. Wie kann so etwas in einer Demokratie überhaupt passieren? Und kaum waren die neuen Abgeordneten erkoren, erschallen schon die Rufe nach einem Quotenregelwerk.
Abgesehen davon, dass sie unser Politsystem nicht verstanden hat, bescherte uns Chefredakteurin Doris Quaderer im «Volksblatt» vom 9. Februar eine Quotenansicht der besonders fiesen Art. Unter dem Titel «Quoten-Tschügger» enthemmt sie sich auf die gröbere und unanständige Tour und eruiert über die Fachrichtung Witz und ihre Unterabteilungen, Zynismus und Bosheit, dass der Liechtensteiner nur deshalb nicht hinterwäldlerisch wäre, weil zwei bekennende Schwule und ein Mann in Frauenkleidern im Landtag vertreten sind. Tatsächlich ist dort noch nie ein Mann in Frauenkleidern aufgetaucht. Und wenn sie meint, jenen welcher in seiner Freizeit – die sie aber rein gar nichts angeht – gerne Frauenkleider trägt, mit dem Hinterwald verbosheiten zu müssen, darf sie sich die Frage stellen, warum man ein Geschlecht, welches zu so viel Niedertracht fähig ist, auf dem Wahlzettel äusserst vorsichtig ankreuzt.
Die Krönung ihrer Süffisanz beschert uns Frau Quaderer, indem sie in den Raum eindenunziert, ob Johannes Kaiser schon als «Quoten-Tschügger» beschimpft worden wäre. Bei allem Verständnis für eine Frau, welche krampfhaft plump versucht, eine gute Chefredakteurin mit einem interessanten Schreibstil zu sein; aber lang gediente Abgeordnete verunglimpfen und ihnen einfach noch schnell einen Spitz- und Spottnamen anheften und zwei Schwule als Messlatte dafür nehmen, ob wir noch immer, oder nicht mehr hinterwäldlerisch sind, zeugt weder von Geist noch von Charakter.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung