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Leserbrief

Liebe Heuchler,

Amon MarxerMurasträssle 4, Balzers | 13. Februar 2017

seit den Wahlen werden die Haare gerauft und die Hände über den Köpfen zusammengeschlagen. Warum, oh warum nur, wurden so wenige Frauen in den Landtag gewählt? Die Antwort ist m. E. der-mas­sen offensichtlich, dass das geheuchelte Unverständnis geradezu komisch wirkt. Weil ich glaube, dass wir mit ein wenig mehr Ehrlichkeit beim Thema Gleichberechtigung wesentlich schneller vorankämen und bevor der Biber den eingebildeten Frauenfeind als medial begleiteten Bösewicht ablöst, eine kleine Wahlanalyse:
Man beachte die folgenden zwei Wortgruppen. Gruppe 1: Sachbearbeiter, Masseur, Heilmasseur, Pra-xis­assistent, Musiker, Heilpraktiker, Primarlehrer, Journalist, Hausmann. Und nun Gruppe 2: Geschäftsführer, Verwaltungsrat, Treuhänder, Projektleiter Hilti, Bereichsleiter, Arzt, Verwaltungsratspräsident, Rektor, Rechtsanwalt, Unternehmer, Betriebsleiter, Physiker, Dipl. Wirtschaftsingenieur, Wirtschaftsprüfer, Dipl.Ing. Maschinenbau, Patentanwalt, Direktor.
Abgesehen von der ebenfalls relevanten Länge der Listen erkennt jeder sofort den wesentlichen Unterschied, wenn er ihn auch nicht benennen will: Gesellschaftliche Anerkennung. Und nun die Frage: Wen wähle ich wohl, wenn ich die Wahl zwischen einem Hausmann und einer Ingenieurin habe? Logischerweise die Ingenieurin. Denn über den Hausmann weiss ich nichts, wenn ich ihn nicht zufällig persönlich kenne. Von der Ingenieurin weiss ich jedenfalls, dass sie intelligent und leistungsfähig ist. Natürlich gab es unter den Landtagskandidaten vereinzelt auch den Elektriker und den Sozialpädagogen und unter den Landtagskandidatinnen die Juristin und die Anwältin. Wenig überraschend sitzen letztere Beiden nun im Landtag. Ich persönlich finde, es ist ein Zeichen von geistiger Reife, dass Frauen, die – das sollten wir nicht vergessen – wegen der höheren Lebenserwartung mehr als 50 Prozent des Wahlvolkes stellen, Frauen nicht allein wegen deren Vagina wählen. Wer mehr Frauen im Landtag sehen will, der muss dafür sorgen, dass es mehr Ingenieurinnen, Anwältinnen etc. in der Gesellschaft gibt – und damit wären wir schon wieder beim Thema ausserhäusliche Betreuung.

Amon Marxer
Murasträssle 4, Balzers

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