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Leserbrief

Delegierte Psychotherapie: Einige Fakten

Brigit Jerg,Im Pardiel 16, Schaan | 26. Januar 2017

Als selbstständig tätige psychologische Psychotherapeutin respektiere ich die Verbandsautonomie der Ärztekammer. Offensichtliche Irrtümer aber bedürfen der Richtigstellung.
Im Interview auf 1FLTV vom 19. Januar weist Frau Dr. med. Ruth Kranz in Bezug auf das Modell «delegierte Psychotherapie» zu Recht darauf hin, dass es das in Liechtenstein im Unterschied zur Schweiz nicht gibt. Die Schlussfolgerungen, die sie daraus zieht, sind aber falsch.
Das beginnt bei der Formulierung, dass Psychiater in Liechtenstein keine delegierte Psychotherapie machen würden. Die machen sie auch in der Schweiz nicht, sie delegieren die Psychotherapie nur, wie der Name sagt, an in ihrer Praxis angestellte Psychologen, die die Therapien dann durchführen. Dass Liechtensteiner Psychiater damit einen Drittel der Tarmed-Positionen ihrer Schweizer Kollegen nicht abrechnen können suggeriert, dass sie dadurch auch einen Drittel weniger verdienen würden. Das trifft nicht zu.
Es stimmt zwar, dass die Arbeit der angestellten Psychologen in der Schweiz als technische Leistung des delegierenden Arztes von diesem abgerechnet werden kann, dieser Ertrag bildet aber das Einkommen der Psychologen, die die Therapien durchführen, und ist ihnen geschuldet. Die Absicht des Delegationsmodells lag nie darin, Psychiatern ein zusätzliches Einkommen zu bescheren, sondern der psychotherapeutischen Unterversorgung entgegenzuwirken, da es in der Schweiz damals zu wenig deutschsprachige Psychiater gab und die Aufnahme einer neuen Gruppe von Leistungserbringern ins KVG politisch nicht opportun schien. Das sieht heute anders aus und der Wechsel vom Delegations- zum Anordnungsmodell analog Liechtenstein ist auch in der Schweiz in Vorbereitung.
Es ist nachvollziehbar, wenn sich die Ärztekammer für einen besseren Tarif für ärztliche Psychotherapie einsetzt, aber bitte nicht auf dem Buckel einer anderen Berufsgruppe! Deren Würde ist genauso verletzbar wie diejenige der Ärzteschaft, und delegierte Psychotherapie ist ein aus einer Notsituation heraus entstandenes Auslaufmodell, der fachlichen Qualifikation, die psychologische PsychotherapeutInnen heute mitbringen müssen, in keiner Weise angemessen, in der konkreten Umsetzung entwürdigend und in Liechtenstein darüber hinaus nicht notwendig, weil das Anordnungsmodell hier seit Langem etabliert ist und sich bestens bewährt.

Brigit Jerg,
Im Pardiel 16, Schaan

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