Leserbrief

Es gibt zu denken, Teil zwei

William Gerner, Quellenstrasse 8, Eschen | 20. Januar 2017

Als Pensionist kann man bei uns meistens gelassen auf das Geschehen in der Politik reagieren. Die Entscheidungen haben persönlich nicht mehr die grosse Bedeutung. Für die kommenden Generationen ist es aber nicht gleichgültig, welche Politiker gewählt und welche Entscheidungen getroffen werden. Wie sich der Umgangston in den vergangenen vier Jahren in der Politik verändert hat, und was sich vor allem in letzter Zeit in unserem Land abspielt, betrifft alle in hohem Masse, denn es belastet das Zusammenleben. In der Diskussion über das KVG fehlte vor allem Respekt, Anstand und Kompromissbereitschaft. Diese Art der Auseinandersetzung ist für unser Land und unsere Gesellschaft untypisch und eigentlich unwürdig. Das hat schon bei der Landtagsdebatte begonnen, wurde im KVG-Abstimmungskampf weitergeführt und ist jetzt bei der Erstellung der Verordnung eskaliert. Es gibt überhaupt keine Vertrauensbasis mehr. Weil die Politik bestimmte Dinge in der Gesellschaft vorleben muss, ist es wichtig, dass die richtigen Parteien und Politiker gewählt werden. Wir brauchen keine Politiker, welche ständig persönliche Angriffe platzieren, die Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten diffamieren und gegen andere ausspielen, die Neiddiskussionen anzetteln, die sogar Rufschädigungen in Kauf nehmen und die dadurch immer mehr Gräben in der Gesellschaft schaufeln. Die unglückliche Verordnung zum KVG soll nun auf Druck der Ärzteschaft und auf Zeitdruck der Landtagswahlen einvernehmlich angepasst werden. Es ist erfreulich, dass das unrühmliche Theater bald vorbei ist. Da ist allen zu danken, die einen Beitrag geleistet haben. Speziell erwähnen darf man sicher Thomas Zwiefelhofer, der mit seinem entscheidenden Impuls den Prozess, der vom Regierungschef als endgültig gescheitert erklärt wurde, wieder in Gang brachte. Die Ärzte haben nun entschieden. Jetzt muss nur noch die Regierung Wort halten. Hätte man aber die Gespräche für eine einvernehmliche Lösung nicht schon im letzten Sommer führen müssen? Wenn ich den Beitrag von Wendelin Lampert im Volksblatt vom Dienstag lese, so befürchte ich, dass wir noch weitere grosse Auseinandersetzungen zu erwarten haben. Kurz nach der Einigung sollte man nicht schon von Disziplinarmassnahmen sprechen. Eigentlich wollen die Menschen jetzt aber einfach Ruhe. Viele fragen sich mit Recht, wie das Ganze dann wohl nach den Wahlen aussehen wird. Werden die Versprechungen, zum Beispiel tiefere Prämien, die bei der Volksabstimmung gemacht wurden, dann noch eingehalten? Man spricht auch schon von Gesetzesänderungen. Wenn der Staatshaushalt ja saniert ist, wie die Verantwortlichen ständig propagieren, so kann man dann sicher auch den Staatsbeitrag für unseren wichtigsten Bereich, die Gesundheit, zuerst wieder erhöhen und den Selbstbehalt auf die ursprüngliche Höhe senken.

William Gerner, Quellenstrasse 8, Eschen

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