Leserbrief

Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen

Carmen Sprenger-Lampert,Landstrasse 333, Triesen | 20. Januar 2017

«Sieger sind die Versicherten» – Herr Zwiefelhofer, wo ist ihre Empathie geblieben?
Im «Vaterland» vom 18. Januar 2017 wird Thomas Zwiefelhofer in Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung zum OKP-Debakel zitiert – «Es gibt nur einen Sieger und das sind die Versicherten und Patienten.» Ich weiss nicht, wie ich diese Aussage bezeichnen soll, ohne dabei nicht beleidigend zu werden. Aber ich weiss, wie ich mich als Versicherte fühle – nämlich nicht als Siegerin, sondern als betrogene Indianerin, die nichts zu melden und dem Häuptling zu gehorchen hat.
Versicherte, die ihre happigen Prämien termingerecht bezahlen und schlussendlich den Kopf für die Unfähigkeit zur Konfliktbewältigung der sich streitenden Parteien herhalten müssen, sind also wirklich keine Sieger. Auf der Gegenseite die OKP-Ärzte, welche einen demokratischen Wahlentscheid – die Abrechnung via Tarmed per 1. Januar 2017 – ignorieren und dem Patienten die Rechnung direkt in die Hand drücken, Verträge ignorieren, Verträge nicht kündigen. Eine Ärztekammerpräsidentin, die von russischen, diktatorischen Verhältnissen in unserem Land spricht. All diese Äusserungen und Handlungen würde ich unter dem Überbegriff «wahrnehmungsgestörte Narrenfreiheit» platzieren, ohne dabei einen Sieger zu erkoren.
Das gesamte OKP-Debakel ist eine tragisch traurige Geschichte, bei der ich es als sehr unpassend bzw. sogar als frech erachte, die Versicherten nun als Sieger zu ernennen. Aus meiner Sicht gibt es hier keine Sieger – zu viel Porzellan wurde auf primitivste Art und Weise von allen beteiligten Parteien zerschlagen. Ein Vorgehen, das dem «Normal­sterblichen» zeigt, welche Macht und Narrenfreiheit gewisse Personen haben. Ich stelle mir die Frage, welches juristische Nachspiel dieses Vorgehen haben wird?
Bleibt zu hoffen, dass sich die Wähler und Wählerinnen bei ihrer Stimmabgabe anlässlich der bevorstehenden Wahlen nicht vom hinterhältigen sowie Lug und Trug beherrschten Wahlkampf beeinflussen lassen und wahren Werten den Vorrang geben. Ich bin froh darüber, dass die Landtagswahlen 2017 bald vorüber sind und die Mitglieder des «neuen» Landtages bzw. der «neuen» Regierung bald wieder in kollegialer Art und Weise miteinander verkehren und sich vertrauensvoll dem Volk zeigen. Die anlässlich des Wahlkampfs genutzten Vorgehensweisen zeigen einmal mehr, wozu der Mensch für Macht bereit ist – erschreckend! Und das in einem reichen und zivilisierten Land mitten in Europa.

Carmen Sprenger-Lampert,
Landstrasse 333, Triesen

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