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Leserbrief

Geht es doch ums Geld?

Thomas Rehak,Büchele 15, Triesen | 23. Dezember 2016

Langsam aber sicher kommt ans Tageslicht, um was es beim Ärztestreit wirklich geht. Im Wesentlichen geht es weder um berufliche Freiheiten noch um die Würde der Ärzte. Es geht viel mehr ums Geld und um die von der Ärztekammer nicht gewünschte Vergleichbarkeit, welche mit dem Tarmed möglich sein wird.
Die Ärztekammer hält weiterhin daran fest, dass die Ärzte mit dem alten FL-Tarif abrechnen werden und damit angeblich für «Kostenstabilität» gesorgt werden soll. Dies wird mit der Aussage von Gesellschaftsminister Pedrazzini begründet. Er habe verlauten lassen, dass mit Tarmed eine Kostensteigerung nicht ausgeschlossen werden könne. Die Ärztekammer argumentiert, dass die Tarmed-Tarife und die FL-Tarife praktisch gleich seien, für bestimmte technische Leistungen sei der Tarmed gar sehr viel teurer.
Die Regierung will mit der strittigen Verordnung einen Taxpunktwert von 83 Rp., den gleich hohen Wert wie im Kanton St. Gallen oder Graubünden, einführen. Die Ärztekammer wollte jedoch einen Taxpunktwert von 89 Rp., d. h., um ca. 7 Prozent mehr, welcher demjenigen des Kantons Zürich entspricht. Der Tarif scheint nun aber bei den meisten Ärzten akzeptiert zu sein. Aus dieser Optik wirkt es sehr sonderbar und kaum nachvollziehbar, dass die Ärztekammer den Tarmed als Ärgernis und Unsinn bezeichnet.
Die Ärztekammer bekämpft den Tarmed mit aus meiner Sicht wenig aufschlussreichen Begründungen. Eine ist, dass sie nicht bereit seien, für die politischen Fehlentscheide zu bezahlen. So die Präsidentin der Ärztekammer. Nur: Der Tarmed steht gar nicht zur Diskussion. Die Einführung des Tarmed wurde von Landtag und Volk beschlossen. Es ist unverständlich, weshalb sich die Ärztekammer noch immer wehrt, mit diesem neuen im Gesetz verankerten Tarif abzurechnen. Ich fordere alle Ärzte auf, mit oder ohne OKP-Vertrag, den Volkswillen zu akzeptieren und ab dem 1. Januar 2017 nach Tarmed abzurechnen, damit wäre der im Streit missbrauchte Patient aus dem Spiel.
Mit dem im Gesetz verankerten Tarmed wird nicht nur eine neue Tarifstruktur eingeführt, sondern auch die Vergleichbarkeit bezüglich Überarztung massiv verbessert. Durch die letzte Anpassung des Krankenversicherungsgesetzes mussten alle Beteiligten einen Beitrag leisten. Alle Patienten müssen ab dem 1. Januar 2017 höhere Selbstbehalte akzeptieren und mehr Eigenverantwortung übernehmen. Es ist jetzt an der Zeit, dass auch die Ärzte ihren Beitrag leisten.
Die Angstmacherei um unbezahlte Arztrechnungen ist klar zu verurteilen und einer vernünftigen Lösungsfindung wenig förderlich. Die Krankenkassen haben erklärt, dass sie die Rechnungen nach Tarmed bezahlen werden. Wenn ein Arzt zum Wohle seiner Patienten handeln will, kann und soll er ab dem 1. Januar 2017 nach Tarmed abrechnen.
Falls es ab Januar in unserem Land tatsächlich keine OKP-Ärzte mehr geben sollte, dann kann gemäss KVG dafür gesorgt werden, dass Versicherte jeden Arzt aufsuchen können. Es werden sich auch dann Ärzte finden lassen, die Rechnungen nach dem Tarmed ausstellen werden. Es ist sehr zu begrüssen, dass es auch vernünftige Ärzte wie Rainer Wolfinger gibt, welcher die Situation in den News von 1FLTV sehr verständlich und sachlich analysiert. Er anerkennt die Bemühungen der Regierung in Sachen Verordnung und macht deutlich, dass niemand Verständnis für dieses Theater hat. Er ist der Meinung, dass die Ärztekammer nun durchaus einen Schritt entgegengekommen könnte, um wenigstens Rechtssicherheit herzustellen. Ich bin überzeugt, dass es auch andere Ärzte mit der gleichen Ansicht gibt.

Thomas Rehak,
Büchele 15, Triesen

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