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Leserbrief

Nicht von falschen Fakten leiten lassen

Florian Gstöhl,Gärten 10, Balzers | 22. Dezember 2016

Bezüglich der beiden geplanten Windenergieanlagen auf And wird von mehreren Seiten auf die anscheinend gesundheitsschädigende Wirkung von Infraschallemissionen hingewiesen. Das Thema Schallemission ist sehr komplex und nicht immer einfach zu recherchieren. Wer bspw. auf Google nach «Infraschall Windkraft» sucht, der stösst zunächst auf einige Seiten Klatsch und Tratsch, welche mit Wissenschaft nicht viel zu tun haben. Kein Wunder, dass da schon mal etwas Verwirrung aufkommen kann. Wir sind durch eine Vielzahl künstlicher und natürlicher Quellen einer permanenten Infraschallbelastung ausgesetzt. Dazu zählen neben z. B. Wind und Gewitter auch fahrende Autos, Waschmaschinen, Kühlschränke und Heizungen. Hätte dieser unhörbare Lärm also tatsächlich eine negative Wirkung auf unsere Gesundheit, müsste es nahezu der gesamten Weltbevölkerung permanent schlecht gehen. Viele der Studien zu Infraschall und Gesundheit sind mit Vorsicht zu geniessen. Das berühmte Londoner 17Hz Experiment von 2003 zum Beispiel verwendete einen Schalldruckpegel von 90 dB, welcher deutlich über den genormten 70 dB (und zugelassenen 30 bis 40 dB) liegt und den Infraschall damit hörbar macht und gegenüber Windkraftanlagen um das 10 000-Fache erhöht. Viele andere Studien wie z. B. die von Nina Pierpont (USA, 2006) verzichten darauf, eine direkte Erhebung des Gesundheitszustandes durch einen Arzt durchzuführen und begnügen sich mit wenigen (zum Teil sogar unter 20) Umfragebögen oder Telefonanrufen bei Anwohnern von Anlagen. So etwas als wissenschaftlichen Beweis zu bezeichnen, zeugt von einem bedenklichen Mangel an kritischem Denken. Ob für oder gegen Windkraft auf And, jeder darf und soll seine Meinung vertreten. Ich möchte die Balzner Bürger aber dazu aufrufen, sich fundiert mit dem Thema zu befassen und sich nicht von falschen Fakten leiten zu lassen. Folgend sind deshalb einige zuverlässige Quellen zum Infraschall aufgeführt:
? Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW); tieffrequente Geräusche inkl. Infraschall von Windkraftanlagen und anderen Quellen.
? Chapman S. (2013); The Pattern of Complaints about Australian Wind Farms Does Not Match the Establishment and Distribution of Turbines.
? Bayrische Landesämter für Umwelt, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 2016; Windenergieanlagen – beeinträchtigt Infraschall die Gesundheit?
? LUBW 2016; Fragen und Antworten zu Windkraft und Schall.


Florian Gstöhl,
Gärten 10, Balzers

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