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Leserbrief

Würdig oder unwürdig?

Harry Quaderer, DU-Fraktionssprecher | 22. Dezember 2016

Die Ärztekammer meint, die Politik habe ihrem Berufsstand die Würde genommen. Leider kommt bei mir aber genau ein anderes Gefühl auf. Im sich momentan abspielenden Machtkampf zwischen Ärztekammer, Krankenkassenverband und Regierung kann von Würde und Anstand keine Rede sein. Dieses von der Ärztekammer perfekt inszenierte Possenspiel ist unwürdig. Die Liechtensteiner haben das nicht verdient.
In dem heute erschienenen «hoi du» können Sie auf Seite 3 lesen, worum es wirklich geht. Es ist schlicht und einfach ein Trauerspiel zwischen der Ärztekammer, dem Krankenkassenverband und der Regierung zugleich. Können wir es uns als politische Entscheidungsträger erlauben, dass ein Gesetz, das notabene durch eine Volksabstimmung beschlossen wurde, ganz einfach umgangen wird? Es gehe nicht um den Tarmed, der sei laut Ärztekammerpräsidentin nur ein kleines Ärgernis. In einem Interview auf 1FLTV verteufelt und verdammt die Ärztekammerpräsidentin aber den Tarmed. Es hört sich zynisch an, dass die Ärztekammer aus kostendämmenden Gründen per 1. Januar 2017 den «Liechtensteiner Tarif» anwenden möchte. Der Tarmed wurde vom Landtag beschlossen und vom Volk angenommen. Punkt.
Das neue Gesetz nimmt alle in die Pflicht, nicht nur die Ärzte!
Aber man kann es wenden, drehen und verdrehen, wie man will: Bei dieser Auseinandersetzung geht es nicht um die Würde eines Berufsstandes, wie von der Ärztekammer schriftlich mitgeteilt. Es geht nur um eines: Geld, Geld und noch mehr Geld! Das müssen wir doch endlich mal zur Kenntnis nehmen. Der Patient und die Patientin werden in diesem Machtkampf im Regen stehen gelassen.
Es wäre weit verfehlt, alle OKP-Ärzte in denselben Topf zu werfen. Viele von ihnen stehen bei Weitem nicht hinter diesen Drohgebärden. Bisher schien es ein Privileg gewesen zu sein, einen OKP-Vertrag zu bekommen. Die OKP-Zulassung war der Garant für eine tolle Karriere als Arzt mit tollem Verdienst. Die Nicht-OKP-Ärzte und auch einige Ärzte auf der Warteliste hofften zu Recht auf einen OKP-Vertrag und manche kämpften jahrelang darum. Soll sich dies auf einen Schlag geändert haben?
Liebe OKP-Ärztinnen und Ärzte, jetzt gilt es endlich einmal, Farbe zu bekennen. Wollen Sie im OKP bleiben oder nicht? Wer das nicht will, soll sich noch vor dem 1. Januar 2017 dazu bekennen und dies schriftlich mitteilen. Allen voran der Vorstand der Ärztekammer! Falls sie dies nicht machen, sind die Androhungen Ihres Verbandes, der Ärztekammer, nichts anderes als faules Geschwafel!
Bekennen Sie Farbe – aus Gründen der Transparenz und Ehrlichkeit Ihren eigenen Patienten gegenüber. Die Prämienzahler haben ein Anrecht zu wissen, mit wem sie es zu tun haben.
Wer auf Gewerbefreiheit pocht und Selbstständigkeit fordert, soll auch danach leben, auf die Vorzüge eines OKP-Vertrags verzichten und sich dem freien Markt stellen.
Der Regierungschef soll bitte keine faulen Kompromisse zu Ungunsten des Prämienzahlers eingehen. Können nämlich die Ärzte das ganze Rechnungswesen und Inkasso den Krankenkassen übertragen, wird sich dies sicherlich nicht positiv auf die Prämien auswirken. Die Politik darf jetzt nicht einknicken! Es wäre schön, wenn sich die Koalitionsregierung, ich wiederhole, die Koalitionsregierung geschlossen vor die Prämienzahler stellen würde und sich nicht durch dieses unwürdige Treiben der Ärztekammer erpressen liesse. Die Regierung hat einen klaren Gesetzes- und Volksauftrag, das soll sie bitte auch im Wahlkampf nicht vergessen.

Harry Quaderer, DU-Fraktionssprecher

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