Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Chaos in der Gesundheitsversorgung?

Dr. Hansjörg Marxer, Präsident | 20. Dezember 2016

Stellungnahme des Liechtensteinischen Dachverbands von Gesundheitsberufen LDG

Der Presse zufolge herrscht ein Chaos in der Gesundheitsversorgung. Das wäre vermeidbar gewesen, wurde aber durch eine gezielte Kombination von Vermutungen und Unterstellungen provoziert. Zum besseren Verständnis der derzeitigen Situation, hier einige klare, überprüfbare Aussagen.
Die Präsidentin der Ärztekammer vertritt ihre Kollegen nach aussen. Die Politik und die Öffentlichkeit müssen zur Kenntnis nehmen, dass nicht eine einzelne Person, sondern ein gesamter Berufsstand geschlossen hinter ihren Aussagen steht. Der Ärztestand ist Teil eines umfassenden Netzes von Gesundheitsberufen. Die im Dachverband zusammengefassten Gesundheitsberufe sorgen sich ebenfalls um die Sicherheit unserer Gesundheitsversorgung.
Das Ministerium für Gesellschaft hat eine Verordnung zur Umsetzung der KVG-Revision vorgelegt. Mit dieser Verordnung sollen zum Beispiel den Ärzten Art und Umfang der Behandlungen ebenso festgeschrieben werden, wie an welchen Zeiten gearbeitet werden darf. Das ist nur ein Teil der Einschränkungen. Jeder Selbstständige wird einen derartigen Übergriff von Seiten des Staats ebenso wie die Ärzte ablehnen. Hier einige weitere Fakten:
?Am Beispiel des Vertrags mit den Psychotherapeuten ist die ministeriale Strategie zu erkennen: Mit der Festlegung einer maximalen Wochenarbeitszeit verspricht man sich dort eine bis zu zehnprozentige Kostenreduktion und das bei bestehender knapper Versorgung. Mit dieser Rationierung werden notwendige Behandlungen von Kranken verhindert.
?In der Zeitungsmeldung vom September wurde übrigens als Folge dieses Vertrags eine zehnprozentige Prämienreduktion versprochen, was rein rechnerisch gar nicht möglich ist.
?Wir müssen damit rechnen, dass es in Zukunft immer schwieriger wird, Persönlichkeiten für verantwortungsvolle Vorstandspositionen zu gewinnen, wenn sie sich mit der Vertretung ihrer Kollegen persönlichen Angriffen aussetzen.
?Die im Dachverband LDG zusammengefassten Gesundheitsberufe teilen die Beurteilung ihrer Partner, den Ärzten. Sie alle sehen in der vom Ministerium für Gesellschaft vorgeschlagenen Umsetzung der KVG-Revision einen klaren Schritt in Richtung staatlicher Planwirtschaft zur Rationierung von Gesundheitsleistungen. Staatliche Planwirtschaft ist allerdings erfahrungsgemäss ein zuverlässiger Weg funktionierende Systeme zu ruinieren.
?Die Leistungserbringer sehen ihre Aufgabe in der Betreuung von Kranken und nicht in der Verweigerung von notwendigen Behandlungen, wie es bei den vorgesehenen Rationierungsmassnahmen vorgesehen ist. Somit dürfen sie die vorgesehene Rationierung nicht mittragen, sonst würden sie zu Mittätern.
?Es werden keine Drohungen ausgestossen. Es wird lediglich festgestellt, dass die Ärzteschaft ein Mittragen der vom Ministerium vorgesehenen Massnahmen den Patienten gegenüber nicht verantworten kann. Drohen und das Schüren von Ängsten ist eher eine Domäne der Politik.
?Die Gesamtproblematik der Entscheidungen aus dem Ministerium für Gesellschaft ist schon lange bekannt. Der Dachverband und einzelne Berufsverbände haben schon mehrfach sowohl die Bevölkerung via Medien sowie die politischen Entscheidungsträger in direkten Gesprächen über die unkontrollierbare Entwicklung der gegenwärtigen Gesundheitspolitik informiert.
Die Gesundheitsversorgung auf Kosten und Tariffragen zu reduzieren, ist keine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik. Der Dachverband steht für die Sicherung einer qualitativ hochstehenden medizinischen Versorgung aller Kranken. Es ist nur zu hoffen, dass ein Umdenken stattfindet und dass zukünftig die Leistungserbringer nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Die systematische Ausgrenzung der Leistungserbringer und der Verzicht, einheimisches Fachwissen einzubeziehen, sollte im Interesse eines auch in Zukunft gut funktionierenden Sozialsystems gestoppt werden.

Dr. Hansjörg Marxer, Präsident

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung