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Leserbrief

Keine Panik: Ein Realitätscheck

Amon MarxerMurasträssle 4, Balzers | 19. Dezember 2016

Eigentlich wollte ich mich ja nicht zum Aufstand unserer Millionäre äussern, denn ich bin dankbar für die gute Arbeit, die die Ärzte leisten. Aber wenn ich nun lesen muss, sie würden sich in ihrer Würde verletzt fühlen, dann ist es vielleicht Zeit für einen Realitätscheck.
Persönlich halte ich es nämlich für völlig unangebracht, wenn ein Arzt hierzulande mehr als eine Million aus der beitrags- und steuerfinanzierten Krankenversicherung abschöpfen kann und auf den grössten Teil davon dank Ärzte AG noch nicht einmal Sozialabgaben zahlt.
Ein Oberarzt in Deutschland arbeitet schliesslich massiv mehr. Trotzdem verdient er im Durchschnitt gerade einmal 130 000 Euro (Quelle: handelsblatt.com), von denen dann steuer- und sozialabgabenbedingt nur gut die Hälfte auf seinem Konto landet. Ich hätte erwartet, dass ein Zweitporsche die Nerven beruhigt und dabei hilft, Kritik auszuhalten.
Die Ärzte sind schliesslich nicht der einzige Berufsstand dessen Ruf durch einige schwarze Schafe in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bänker und Anwälte weinen sich deswegen auch nicht jeden Abend in den Schlaf.
Aber Gott sei Dank haben wir nun unser neues Superministerium für Menschenrechte, das sicher auch für die Würde des Menschen zuständig ist. Der Versuch, über die Patienten Druck auf die Politik auszuüben, würde mich sicher ärgern, wenn er nicht so lächerlich wäre. Wer nun in Panik gerät, der sollte sich mit einer Tasse Tee aufs Sofa setzen und das in Ruhe durchdenken. Ich werde mir die Rechnung jedenfalls gerne zuschicken lassen, die ich sogleich an die Krankenkasse weiterreiche.
Von dieser erwarte ich, dass sie ab 2017 Leistungen nur gemäss Tarmed vergütet. Dem Arzt wünsche ich viel Vergnügen dabei, allfällige Differenzbeträge einzutreiben. Wenn er deshalb hunderte Betreibungsverfahren einleiten muss, dann hat er danach sicher einige Patienten weniger und bis dahin Einiges zu tun. Ich muss mich nur um ein einziges Betreibungsverfahren, das gegen mich gerichtete, kümmern. Dafür habe ich jede Menge Zeit. Mein Puls: 57.

Amon Marxer
Murasträssle 4, Balzers

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