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Leserbrief

Was fehlt, wenn nichts fehlt?

Reinhard Walser,Bartlegrosch 38, Vaduz | 17. Dezember 2016

Vor vielen Jahren habe ich den Wahlslogan kreiert «Uns geht es gut. So soll es bleiben.» Dieser hat an seiner Bedeutung nichts verloren. Später wählten wir dann das VU-Motto «metanand». Diese Aussage hat an Bedeutung zugenommen. Massiv zugenommen. Leider.
Alle Slogans, die im Moment angeboten werden, ob «viel vor», «mehr möglich machen» oder «es langet, gnuag für alle» sind gut gemeint, treffen allerdings nicht das grösste Potenzial für Liechtenstein. Alle wollen Mehr des gleichen.
Ohne Frage, man kann durchaus an der einen oder anderen Schraube drehen, man kann das eine oder andere verbessern. Aber wir sollten uns einigen, dass es uns besser geht als den allermeisten Bewohner dieser Welt. Und trotzdem herrscht in unserem Land eine grosse Unzufriedenheit. Warum wohl? Das Vertrauen in die politischen und gesellschaftlichen Obrigkeiten ist nahe bei Null. Das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich explodiert. Und Einzelhaushalte nehmen ständig zu. Der Egoismus feiert einen Sieg nach dem anderen.
Ich meine, in unserem Land fehlen die soziokulturellen Werte: Wir sind zu gierig nach immer mehr. Mehr Geld. Mehr Prestige. Mehr als der Nachbar. Wir überschätzen unsere Möglichkeiten und unsere Bedeutung. Gemäss Medienberichten bekommt man hin und wieder den Eindruck, wir seien der Nabel der Welt und sagen der EU und der UNO, wo’s lang gehen soll. Und das Gravierendste: Wir können nicht mehr miteinander reden. Wir gehen in eine Sitzung und verlassen den Raum mit der gleichen, vorher festgefassten Meinung. Die Breitschaft, von der einmal festgelegten Norm abzuweichen und gemeinsam einen Kompromiss zu schliessen, wird als Niederlage bewertet. Man ist ein Verlierer und wird als solcher in der Gesellschaft geächtet.
Das heisst zusammengefasst: Uns fehlen Demut, Bescheidenheit und das Miteinander. Ein konstruktives und vertrauensvolles Miteinander kann nur geschehen, wenn das Gegenüber als gleichwertiges Subjekt auf Augenhöhe gesehen wird – und nicht als ein Objekt, das man «besiegen» möchte. Dem man seine eigene Meinung aufzwingen oder dessen Vorgehen man «bekämpfen» möchte. Wir haben ganz offenbar Mühe, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen, geschweige denn, ihn zu akzeptieren.
Das aktuelle Beispiel zwischen der Ärztekammer und dem Krankenkassenverband zeigt uns diese Misere in aller Deutlichkeit. Jeder Partner beharrt auf seinen Positionen. Ein gemeinsames Erforschen und Inspirieren nach neuen Lösungen ist nicht mehr möglich.
Was fehlt also, wenn nichts fehlt? Das Miteinander. Die Demut. Und die Bescheidenheit. Nicht Mehr vom Gleichen ist gefragt. Gefragt ist ein anderes, eine neues Wie. Ein vertrauensvolles Metanand.

Reinhard Walser,
Bartlegrosch 38, Vaduz

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