Leserbrief

Umweltpolitik machen heisst gestalten

Monika Gstöhl,Geschäftsführerin der LGU | 13. Dezember 2016

Wir brauchen Bewegung

Im laufenden Wahlkampf taucht das Thema Umwelt kaum auf. Gerade einmal fünf der bisher aufgestellten Landtagskandidatinnen und -kandidaten für die kommende Legislaturperiode nennen «Umwelt» als ein Thema, welches ihnen besonders am Herzen liegt. Soziale Gerechtigkeit hingegen wird von fast allen genannt. Das ist verwunderlich, denn Umwelt- und Gesellschaftspolitik sind eng miteinander verwoben.
Die Wirtschaft muss wachsen, die Steuern müssen tief bleiben, der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein und es soll soziale Gerechtigkeit herrschen. Diese Themen – obwohl von öffentlichem Interesse – decken die breite Spanne an politisch relevanten Bereichen noch nicht ab. Natur- und Umweltbelange werden vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Spargedankens blockiert. Die LGU sieht darin ein ernsthaftes Problem. Umweltpolitik ist immer auch Gesellschaftspolitik. Die Ergebnisse oder Zustände der einen Politik sind Ausgangs- und Randbedingungen für die andere. Die Vision der ökologischen Gerechtigkeit verläuft analog zur sozialen Gerechtigkeit. Es geht nicht um die ethische Ausrichtung von Leben und Konsum, sondern um das Recht auf natürliche Regeneration und freie Entfaltung.
Umweltpolitik darf, genau wie Gesellschaftspolitik, nicht zum Ziel haben, einen Status quo zu bewahren sondern muss auf Transformationen entsprechend reagieren. Solche Veränderungen finden auch bei uns statt: Die Entwicklung urbaner Räume, die Energiewende, unsere Mobilität und unsere Landnutzungssysteme sind einem entscheidenden Wandel unterworfen, ob die Politik nun darauf reagiert oder nicht.
Die Politik muss kooperativ und systematisch Lösungsansätze für Probleme finden. Das geschieht nur über partizipatives und exploratives Entwickeln. Das bedeutet, dass z. B. die Verkehrsproblematik oder die langfristige Entwicklung unseres Landschaftsraums Konzepte fordern, welche die Politik in Zusammenarbeit mit allen Interessensgruppen erstellt. Solche Konzepte müssen dann in gewissen Zeiträumen überprüft und allenfalls angepasst werden.
Während unsere Nachbarländer bereits seit 30 Jahren über ein «Wie» in Umweltfragen diskutieren, stecken wir selbst immer noch beim «Ob» fest. Das Streben nach Wachstum, die Steigerung der Lebensqualität und andere sozio-ökonomische Wertvorstellungen werden entscheidend untergraben, wenn sie dabei auf Kosten von Natur und Umwelt gehen.
Unsere Ökosysteme erbringen Dienstleistungen, welche eben genau zum Erhalt solcher Wertvorstellungen notwendig sind. Der Nachhaltigkeitsgedanke muss auf einer regulativen Ebene angesprochen werden und soll dazu dienen, Lebensqualität von Naturverbrauch zu entkoppeln. Umweltpolitik ist kein Luxus, der an letzter Stelle auf der «To-do-Liste» steht. Sie dient dem Erhalt und Schutz unseres Lebensraums und unserer natürlichen Ressourcen wie Wasser, Landschaft, Wald oder Boden. Umweltpolitik ist dazu da, unsere Lebensqualität auf lange Sicht zu gewährleisten.


Monika Gstöhl,
Geschäftsführerin der LGU

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