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Leserbrief

D’Lüt vo do fördera!

Landtagfraktion der Freien Liste | 10. Dezember 2016

Wahlen 2017

Das inländische Arbeitspotenzial besser ausschöpfen, heisst die Formel, die jüngst die Stiftung «Zukunft.li» der Politik ans Herz gelegt hat.
Wenn die Politik den Empfehlungen der Stiftung folgt, dann wird an der heutigen Regelung der Zuwanderung festgehalten.
«Zukunft.li» stellt die Frage, wie die Arbeitsproduktivität wieder gesteigert werden kann. Für den Lebensstandard der Bevölkerung ist nämlich das Einkommen der Einwohner pro Kopf entscheidend. Und wie kann dies erhöht werden? Natürlich gehören die allgemeinen Rahmenbedingungen dazu, die Bildungspolitik und Investitionen in zum Beispiel Infrastruktur, Energie oder Kommunikation. Die zentrale Frage ist aber: Wie schöpft man das inländische Arbeitspotenzial besser aus? Die Freie Liste hat zu diesem Thema an die Regierung schon einige Forderungen gerichtet. Wir sehen es gleich wie die Verfasser der Studie: Die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf muss erhöht und damit die Erwerbsquote der Frauen gesteigert werden. Ebenso die Erwerbsquote der Altersgruppe «50 plus». Die Menschen in Liechtenstein sollen eine echte Wahl haben, ob sie arbeiten möchten oder nicht. Mütter, die längere Zeit aus dem Berufsleben ausgestiegen sind, haben grösste Mühe, wieder einen Job zu finden.
Das Pensionsalter wurde in Liechtenstein erhöht, wie aber die Chancen der älteren Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt stehen, ist eine Frage, welche nur die Freie Liste öfter in die politische Diskussion gebracht hat. In der Realität gibt es viele Fälle, in denen Älteren nahegelegt wird, in Frühpension zu gehen. Damit aber gehen wertvolle Fähigkeiten für die Wirtschaft verloren.
Die Regierung hat in ihren Antworten zu zwei Vorstössen der Freie Liste Fraktion behauptet, die Unternehmen hätten die Problematik der Arbeitnehmenden über 50 im Auge. Politisch sieht sie keinen Handlungsbedarf. Ebenso wenig interessiert sie die Gruppe von Menschen, die zwar in Liechtenstein eine Arbeitsstelle haben, aber trotz Vollzeitarbeit in relativer Armut leben.
Der Staat fängt diese Menschen mit Mietbeihilfen und sonstiger Unterstützung finanziell auf. Aber es darf in einer sozialen Marktwirtschaft nicht sein, dass sich Arbeit nicht mehr lohnt. Vermögen verteilen sich immer ungleicher zugunsten der Reichen. Ebenso zeigt die aktuelle Lohnstatistik, dass sich auch die Lohnschere weiter öffnet. Die Spitzenlöhne steigen an, die Tieflöhne nicht.
Dass dieses Ungleichgewicht gesellschaftlicher Sprengstoff ist, dem haben sogar einige Abgeordnete der anderen Parteien in der Debatte zur Erwerbsarmut beigepflichtet. Dennoch fehlt es der Regierung am Willen, die Entwicklung der sogenannten Working Poor zu beobachten, statistisch zu erfassen und gegebenenfalls gegenzusteuern.
Für uns stimmt etwas fundamental nicht, wenn Menschen trotz Vollzeitbeschäftigung nicht von ihrem Lohn leben können, und wir sehen die Politik durchaus in der Verantwortung. Der Markt ist verzerrt. Der Verdienst ist auch von politischen Entscheidungen abhängig, die manche benachteiligen. «Es langet», es braucht endlich wieder mehr Einsatz «för d’Lüt vo do».

Landtagfraktion der Freien Liste

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