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Leserbrief

Gegen Vorurteile und Diskriminierung

Fachstelle für Sexualfragenund HIV-Prävention (fa6) | 1. Dezember 2016

Welt-Aids-Tag

Am heutigen Welt-Aids-Tag sind Menschen auf der ganzen Welt aufgefordert, im Kampf gegen Aids aktiv zu sein, indem sie ihre Solidarität gegenüber Menschen mit HIV zeigen. Rund 37 Millionen Menschen leben weltweit mit dem HI-Virus. Aller Aufklärung zum Trotz müssen sie noch immer gegen Vorurteile und Diskriminierung kämpfen – auch im Raum Schweiz-Liechtenstein. Deshalb widmet die Aids-Hilfe Schweiz den diesjährigen Welt-Aids-Tag dem Thema «Vorurteile und Diskriminierung». Die Fachstelle für Sexualfragen und HIV-Prävention (fa6), die Mitglied der Aids-Hilfe Schweiz ist, hat sich dieser Sensibilisierungkampagne angeschlossen.
Mobbing und Entlassungen am Arbeitsplatz, Outing in Social Media und im Privatbereich, Verweigerung der Behandlungskosten von Krankenkassen, Barrieren auf dem Weg in die Selbstständigkeit, unzulässige Erwähnung von HIV gegenüber Drittpersonen sind nur einige der Formen täglicher Diskriminierung, mit der sich HIV-positive Menschen konfrontiert sehen.
Partnerinnen und Partner, Familienmitglieder und Bekannte ziehen sich oft von Betroffenen zurück, wenn sie von deren HIV-Infektion erfahren. Dabei ist seit 2008, als das sogenannte Swiss Statement erstmals den Weg an die Öffentlichkeit fand, klar, dass HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie sexuell nicht infektiös sind. Das heisst, sie sind «#undetectable», nicht nachweisbar. Dank wirksamer Therapie ist die Viruslast nicht mehr nachweisbar und somit kommt es auch nicht mehr zu einer HIV-Übertragung.
Diese Tatsache muss auch den Menschen Liechtenstein bekannter gemacht werden. In den vergangenen drei Jahren häuften sich wieder anonyme Anfragen von Leuten, die befürchten, sich mit dem HI-Virus infiziert zu haben – etwa auf einem fremden WC, beim Zahnarzt, in der Kantine am Arbeitsplatz etc. Solche Ängste sind völlig unbegründet, weil, erstens, in der Schweiz bei über 90 Prozent der Behandelten die Infektion nicht mehr nachgewiesen werden kann, und, zweitens, weil das Virus ausserhalb des menschlichen Körpers nur Sekunden oder Minuten überlebt und dann nicht mehr ansteckend ist. Es ist also ausgeschlossen, dass man sich in einem Betrieb, in dem allenfalls auch HIV-positive Menschen arbeiten, z. B. auf dem Klo infiziert.
Die fa6 bezieht sich immer wieder auf Vergleiche und Zahlen in der Schweiz, da die verfügbaren Zahlen in Liechtenstein wohl nicht vollständig sind. Es ist in unserem Land schwierig, die genauen Zahlen zu erheben. Viele in Liechtenstein wohnhafte Leute gehen aus Anonymitätsgründen in die benachbarte Schweiz, um sich auf HIV testen oder um sich behandeln zu lassen. HIV ist eine Geschlechtskrankheit bzw. eine sexuell übertragbare Infektion (STI) und als solche stark tabubehaftet. Die Vermutung liegt nahe, dass deshalb die Leute lieber etwas weiter weg zum HIV-Test oder in Behandlung gehen. In den vergangenen Jahren wurden denn auch etliche, wenn nicht die meisten, Neuinfektionen vom Bundesamt für Gesundheit nach Liechtenstein gemeldet. Die letzte Neuinfektion wurde der fa6 für das Jahr 2014 gemeldet. Wir gehen davon aus, dass heute insgesamt 30 bis 40 HIV-positive Menschen in Liechtenstein leben.

Fachstelle für Sexualfragen
und HIV-Prävention (fa6)

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