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Leserbrief

Gesundheitsbericht der Regierung

Dr. Ecki HermannRegierungschefkandidatder Freien Liste | 22. November 2016

Wahlen 2017

Passend in der Wahlkampfzeit wird vom zuständigen Regierungsrat der Gesundheitsbericht Liechtenstein in der Presse publiziert. Das Fazit: «Die Menschen in Liechtenstein fühlen sich gesund». Dies impliziert in diesem Zusammenhang, dass im Gesundheitswesen alles richtig gemacht wurde. Hier nun noch ein paar Fakten zum besseren Verständnis, um den Gesundheitsbericht auch in einen Gesamtkontext zu bringen. Dieser wurde 2011 von der Vorgängerregierung in Auftrag gegeben und zusammen mit dem Bundesamt für Statistik wurde eine Befragung der Bevölkerung (knapp über 1000 Personen in Liechtenstein, in der Schweiz 20 000) durchgeführt und gemeinsam mit dem Amt für Statistik in Liechtenstein ausgewertet. Die Zahlen beziehen sich auf die Zeitperiode von 2007 bis 2012 und sind bereits im November 2014 (!) publiziert worden, allerdings nicht der breiten Öffentlichkeit kundgetan worden, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Unter dem neuen Ressortinhaber wurde dann noch über OBSAN (Observatorium Gesundheit Schweiz) eine genauere Analyse gemacht und per 2015 veröffentlicht. Wir können also davon ausgehen, dass diese Zahlen durchaus beim Ressort bekannt waren. In diese Zeit fiel auch die Ausarbeitung des neuen KVG (Kran-kenversicherungsgesetz). Dort gab es als Hauptstossrichtung (neben dem ständigen Hinweis, dass die Ärzte unisono Abzocker seien) das «Argument», dass die Liechtensteiner zu oft zum Arzt gingen, deutlich mehr als die Schweizer. Man müsse die Leute unbedingt über den «Geldsäckel» zu mehr Eigenverantwortung erziehen, das ginge nur über einen deutlich höheren Selbstbehalt und höhere Prämien, was natürlich wieder vor allem die weniger Reichen trifft. Das Interessante ist dabei aber, dass bereits im ersten Bericht vom November 2014 klar zum Ausdruck kam, dass die Liechtensteiner genau gleich viel zum Arzt gingen wie die Schweizer (4,1-mal pro Person und Jahr in Liechtenstein, gegenüber 3,9 in der Schweiz, statistisch kein Unterschied)! Mmmmh?!
Nun wird immer wieder das Argument gebracht, in der Krankenkassenstatistik würde klar gezeigt werden, dass die Liechtensteiner mit über 9 Konsultationen doch mehr zum Arzt gingen als die Schweizer. Nun, hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, was das Amt für Statistik FL selbst im erwähnten Gesundheitsbericht auf S. 103 und in der Krankenkassenstatistik 2014 auf S. 18 und 19 erwähnt und die schlechte Vergleichbarkeit bestätigt.
Falsche Informationen und Emotionalisierungen führten zu einem neuen KVG, das viele Familien, sozial Schwächere, viele Senioren etc. finanziell an die Wand drängt, was ich aktuell in meiner Hausarztpraxis täglich erlebe. Bleibt nur zu hoffen, dass der Trend in der Schweiz sich nicht voll in Liechtenstein fortsetzt, nämlich, dass Menschen wegen finanziellen Nöten nicht oder viel zu spät zum Arzt gehen. Aber eben, wir sind ja gesund, sagt der Gesundheitsbericht …

Dr. Ecki Hermann
Regierungschefkandidat
der Freien Liste

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