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Leserbrief

Vertrauensschutz und Finanzplatz: Ein Widerspruch?

Roger Frick (Treuhänder, Wirtschaftsprüfer), Oberfeld 76, Triesen | 16. November 2016

AIA

Anfang November 2016 hat der Liechtensteiner Landtag weitere 32 Länder festgestellt, welche auch bezüglich Datenschutz und technischer Spezifikationen geeignet sind, automatisch Daten in das jeweilige ausländische Domizil ab 1. Januar 2017 zu senden. Dabei sind Daten von im Ausland domizilierten Kunden gemeint, die in Liechtenstein Dienstleistungen bei Banken, Treuhändern etc. beanspruchen.
Der liechtensteinische Finanzplatz ist auch ein Standort des Vermögensschutzes, des Rechtsschutzes, der Verlässlichkeit.
Nehmen wir das Beispiel Mexiko, um eines der neuen Länder zu konkretisieren.
Staatliche Akteure wie auch kriminelle Banden haben ein geringes Interesse, das Verschwinden von Tausenden von Menschen pro Jahr aufzuklären, meint die «NZZ» Anfang August 2016. Das Kennen von Finanzdaten exponiert reiche Familien bei korrupten Behörden; die Familien müssen sich vor Erpressungen, Entführungen etc. fürchten. Dennoch lässt sich die FL-Regierung wohl aufgrund der Empfehlungen von Behörden wie die SIFA davon leiten, dass man mit einem korrupten Land wie Mexiko einen automatischen Informationsaustausch vereinbart. Sicherlich hält sich die Regierung an internationale Vorgaben, an internationale Organisationen, an Listen und Empfehlungen. Ich unterstelle diesen Institutionen etc., dass politische und wirtschaftliche Sachverhalte wichtiger sind als ein Einzelschicksal. Es fehlt wohl der inländische Wille (Behörden, Regierung, Landtag), sich mit einem Land wie Mexiko intensiv auseinanderzusetzen und auf Input aus dem Inland zu hören, weshalb dieses Land ungeeignet sein könnte, zumindest vorerst. Dafür sind wir wohl zu klein oder andere Interessen wichtiger.
Solange Liechtenstein das Treuhandgeschäft nicht abschreibt, wird es wohl auch akzeptieren müssen, dass der Vermögensschutz und die Rechtssicherheit ein zentraler Pfeiler der Angebotspalette sind. Es ist ein enormes Versäumnis und Armutszeugnis, Erwartungen von ausländischen Kunden so zu beantworten, nur um international in Champagnerlaune zu verharren und sich jeglichem Druck zu beugen. Dass die Steuerkooperation mittlerweile solche Auswüchse bei uns zeigt, erstaunt, enttäuscht und irritiert.

Roger Frick (Treuhänder, Wirtschaftsprüfer), Oberfeld 76, Triesen

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