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Leserbrief

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Amon Marxer,Eschen | 28. Juli 2017

Chancengleichheit

Fünfter Teil: Gläserne Decken. Im «Volksblatt» vom 16. März 2017 heisst es zum Thema: «Auch an den Unis … liegt der Frauenanteil bei rund 50 Prozent. Irgendwann müssten sich doch diese Zahlen auch in den Führungspositionen der Unternehmen und in der Politik widerspiegeln.»
Nein, das müssen sie nicht, wobei der Grund dafür m. E. nicht (nur) in der ebenfalls angesprochenen mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu suchen ist: Wenn ich Zeitungsinterviews lese, in denen junge Frauen zu ihrer Studienwahl befragt werden, so lautet deren Antwort fast unweigerlich: «Etwas mit Medien oder etwas mit Menschen» oder eine Variante davon wie «Etwas Kreatives (i.d.R. wieder Medien)». Das lässt vermuten, dass Frauen vermehrt Hobbies studieren. Ein Blick auf die Seite des Statistischen Bundesamtes (DE) bestätigt dies. Leider.
Absolventinnen von Studienfächern wie Soziologie, Sprachen, Journalismus oder Kunstgeschichte, die beliebt sind, weil sie interessant und nicht allzu anstrengend wirken, haben natürlich ein Problem: Es gibt zu viele davon. Wer etwas studiert, das der Markt nicht in der zur Verfügung gestellten Menge braucht, der wird schlechter bezahlt – wenn er denn überhaupt eine Arbeit findet. Angebot und Nachfrage regeln auch auf dem Arbeitsmarkt den Preis. Marktwirtschaft nennt sich das. Wenn die Psychologin, die als Sekretärin arbeitet, weil sie auf ihrem Gebiet keinen Job findet, später den Ingenieur heiratet, der zwei Mal so viel verdient, dann ist klar, wer zu Hause bleibt. Wenig überraschend leistet, wer zu Hause ist, auch mehr unbezahlte Haus- und Pflegearbeit.
Das ist völlig normal. Schliesslich führt der Weg an den Herd auch nicht an den Vorstandsetagen vorbei. Künstlerinnen und Ethnologinnen braucht dort niemand und diese per Quote installieren zu wollen, ist unsinnig.
Zum Thema Karriere kann man also salopp festhalten: Wer schon die Eingangstüre nicht erkennt, der muss sich auch keine Gedanken über Glasdecken machen. Diejenigen, die behaupten, es bewege sich nichts, liegen jedoch falsch: Man schaue sich beispielsweise die Studienrichtungen Jura und Medizin an, bei denen der Frauenanteil mittlerweile über 50 Prozent liegt. Was Chancengleicheit anbelangt, haben wir sicher noch einiges zu tun. Vieles haben Frauen aber auch selbst in der Hand: Entscheidungen haben Konsequenzen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf nützt wenig, wenn man im gewählten Berufsfeld keine anständig bezahlte Arbeit findet.

Amon Marxer,
Eschen

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