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Leserbrief

Von wegen 25 Franken pro Monat sparen

Pepo Frick,Präsident der Freien Liste | 22. Oktober 2016

Krankenkassenprämien

Obwohl die Krankenkassenprämien ab dem nächsten Jahr um 25 Franken monatlich gesenkt werden, werden die Gesundheitskosten für die Mehrheit der Bevölkerung ansteigen. Das vermeintliche Prämiengeschenk wird für alle, die mindestens einmal im kommenden Jahr einen Arzt benötigen, sofort wieder «aufgefressen».
Bis anhin konnte bestimmt werden, dass man nur 200 Franken pro Jahr (neben der obligatorischen Prämie) an Behandlungskosten übernimmt. Ab dem Jahr 2017 gilt eine Mindestfranchise von 500 Franken. Muss jemand, der im Jahr 2017 die niedrigste Franchise wählt, nur ein einziges Mal zum Arzt, muss er damit rechnen, diese 500 Franken zu bezahlen. Heute ist es noch so, dass er nur 200 Franken zahlen müsste. Die Krankenkassenprämienreduktion, die übers Jahr total 300 Franken ausmacht, ist somit schon wieder weg.
Geht dieser Versicherte, der nur über eine Grundversicherung verfügt, im Jahr 2017 ein weiteres Mal zum Arzt, ist seine Franchise schon ausgeschöpft. Er muss aber dennoch mehr bezahlen als bis anhin. Heute ist es so, dass der Selbstbehalt für eine medizinische Behandlung bei 10 Prozent liegt. Im Jahr 2017 wird der Selbstbehalt verdoppelt (ausgenommen bei Senioren): Angenommen, der Versicherte geht zum Arzt, was Kosten von 500 Franken auslöst, muss er 100 Franken selbst bezahlen. Bis anhin wären es 50 Franken gewesen.
Wer zwei oder drei Mal pro Jahr irgendeine medizinische Leistung in Anspruch nimmt, der bezahlt damit die monatliche Prämienreduktion von Gesunden, die keine Arztbesuche benötigen.
Es wird immer gesagt, viele würden wegen jedem Wehwehchen zum Arzt rennen. Es wird aber politisch zu wenig unternommen, damit die Menschen eben nicht gezwungen sind, zum Arzt zu gehen. Einige Firmen verlangen bereits ab dem ersten Krankheitstag ein Arztzeugnis. Auch die Prävention, die hilft, Arztbesuche zu vermeiden, hat im heutigen Gesundheitswesen einen sehr geringen Stellenwert. Menschen müssen zuerst die Möglichkeit bekommen und die Kenntnisse haben, Selbstverantwortung zu übernehmen, bevor von ihnen Selbstverantwortung eingefordert wird.
Für Menschen, die im nächsten Jahr gelegentlich eine medizinische Leistung benötigen und die Ende des Monats kaum etwas übrig haben, entpuppt sich das Prämienreduktionsgeschenk als teuer erkauft. Ich betreue viele von diesen Menschen in meiner Praxis und sage: Sie dürfen mit dieser Belastung nicht alleine gelassen werden. Erwerbsabhängige Krankenkassenprämien würden Entlastung für Menschen bringen, die sich nicht aussuchen konnten, einen guten Verdienst zu erzielen oder die wenig dazu beitragen konnten, nicht krank zu werden: Krankheit kann jeden treffen!
Fortsetzung folgt.


Pepo Frick,
Präsident der Freien Liste

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